Seufzer, Tränen, Klagen
«Mehr, ich bitte dich, mehr! Ich kann Melancholie aus einem Liede saugen, wie ein Wiesel Eier saugt», schwärmt der Höfling Jacques in Shakespeares «Wie es euch gefällt», als sein Freund Amiens ihm im Ardennerwald singend die Zeit vertreibt. Die Airs und Chansons, die der französische Bariton Marc Mauillon auf dieser Doppel-CD auf nachgerade berückende Weise singt, müssten den schwermütigen Sonderling, der sich am Ende des Lustspiels in eine verlassene Höhle zurückzieht, wie jeden anderen Hörer auch, süchtig machen.
Mit seiner typisch französischen, zwischen hohem Bass und tiefem Tenor changierenden, geraden, herb timbrierten Stimme ist Mauillon der ideale Interpret dieser diskreten musikalischen Lyrik aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts.
Mehr als 1.200 Airs hat allein der Drucker Robert Ballard von 1658 bis 1694 in seinen Sammeldrucken veröffentlicht, insgesamt dürfte ihre Zahl aber in die Tausende gehen. Mauillon verfügt über einen leicht ansprechenden Ton, eine ausgefeilte Technik, versteht es meisterhaft, die Sprache zu melodisieren, vor allem aber den richtigen Ausgleich zwischen rezitativischer Deklamation und ariosem Aufblühen zu finden. Er nuanciert die Worte, ja, ...
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Opernwelt November 2021
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 25
von Uwe Schweikert
In sein «Wintermärchen» vom Silbersee ließ Georg Kaiser, viel gespielter Dramatiker dieser Jahre, einige Wirklichkeit eingehen. Junge Arbeitslose, denen keine Parolen mehr gegen den Hunger helfen, plündern einen Lebensmittelladen, in dem Lebensmittel weggeworfen werden, um die Preise hochzuhalten. Auf der Flucht wird der Anführer Severin angeschossen. Den...
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Ich glaube, es ist ein Klischee – oder eine Marketingmaßnahme. Wenn etwas typisch sein könnte, dann vielleicht die Farbe. Dieses Silbrige. Anders als die eher goldenen italienischen Stimmen. Man kann es auch über die Komponisten definieren: Französische...
Wir stehen wieder im Stau, diesmal auf der A59 mitten durch Duisburg. Seltsam, wie gleißend die Sonne noch im September sein kann. Der Binnenhafen mit seinen Lagerhallen und Fahrkränen liegt unter einer weißen Dunstglocke, hinter uns der Ort der Katastrophe bei der Loveparade von 2010, bei der 21 Menschen starben und Hunderte verletzt wurden, ein tragischer Schnitt...
