Selbstbestimmung

Nürnberg, Donizetti: Lucia di Lammermoor

Opernwelt - Logo

Schon vor zwei Jahren hat Regisseur Alexander Schulin mit Donizettis «Liebestrank» in Nürnberg zum Saison­ende einen Höhepunkt gesetzt. Waren dabei Leichtigkeit und szenischer Witz zu bewundern, so sind es jetzt bei «Lucia di Lammermoor» der tiefe Ernst und die Glaubwürdigkeit, die es sonst so schwer haben bei ­einem Stoff voller Konventionen, die uns fremd geworden sind. Wie erzählt man heute ein Ende des 16.

Jahrhunderts spielendes Schauerdrama aus dem schottischen Hochland?
Dem Regieteam ist ein goldener Mittelweg gelungen: Es stellt die Handlung in eine Art Opernmuseum und kann sich durch diesen abstrahierenden Kunstgriff ganz auf die Psyche und Körperlichkeit der Figuren konzentrieren, die gleichzeitig künstlich und doch ganz heutig und voll pulsierenden Lebens sind. Das Opernmuseum ist das Einheitsbühnenbild (Ausstattung: Markus Pysall): ein klassischer Ausstellungssaal mit viel Oberlicht, in dem einige wenige Schaustücke die unterschiedlichen Spielorte charakterisieren.
Zu Beginn hängt da wie zum Ausbluten ein massiger Stier: das Tier, das zuvor Lucia angegriffen haben soll und von Edgardo erlegt wurde. Der Stier wird nicht nur zum Sinnbild des zunächst nur auf juristischer ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2005
Rubrik: Panorama, Seite 62
von Monika Beer

Vergriffen
Weitere Beiträge
Vom Grund der Seele

Signora Dessì, Sie werden derzeit als eine der führenden Sopran-Interpretinnen des Verismo gefeiert. Haben Sie eine persön­liche Affinität zu diesem Repertoire?
Ist das so? Ich singe eigentlich die ganze italienische Literatur. Während der letzten Jahre vor allem Verdi und Puccini, daneben auch Cilea, Leoncavallo und Giordano. Wenn ich an frühere Phasen meiner...

Junge und alte Garde

Wer Robert Dean Smith nicht bei seinem Tris­tan-Debüt in Bayreuth und auch nicht im Rundfunk erlebte, kann dies nun auf der bei Oehms Classics erschienenen Best-of-CD nachholen. Dass das Vergnügen nicht so ungetrübt ist wie auf der Festspielbühne, liegt ­einerseits daran, dass sich die Stimme in der Bayreuther Akustik leuchtender entfaltete, dort wie die von James...

Erfolgreiche Doppelspitze

Es scheint, als hätten Barockmusik und Gegenwart einen geheimen Pakt geschlossen. Noch nie wurde die Musik des 17. und 18. Jahrhunderts so häufig aus den Archiven heraus- und auf die Bühnen bzw. in die Produktionsstudios hineingetragen wie im letzten Jahrzehnt. Nun feiert wieder einer der damals bejubelten, dann vergessenen Komponisten seine Auferstehung: Johann...