Selbst ernannter Prophet
Die Insignien und Embleme unterschiedlichster Religionen, sie fügen sich hier zu einem unheimlichen, erdrückend wirkenden Labyrinth aus Statuen. Antike Gottheiten: Buddhas, Pharaonen, Drachen, Madonnen, Gekreuzigte... Wer findet sich noch zurecht auf diesem Skulpturenfriedhof? Wer verheißt Orientierung? Wo sind die echten Heilsbringer?
Für Joan Anton Rechi, Alfons Flores und Moritz Junge ist diese Frage in Karol Szymanowskis «König Roger» so zentral, dass sie sie in ihrer Mainzer Interpretation dieses trotz seiner viel beachteten Wiederentdeckung in (u. a.
) Breslau, an der Pariser Bastille-Oper und bei den Bregenzer Festspielen 2009 noch immer selten gespielten Opernoratoriums mit einer alles dominierenden Bildsprache vor Augen führen – einer, die von Anfang an Zweifel herausfordert. Der katalanische Regisseur und sein Bühnen-/ Kostümbildner-Team zeigen eine Welt versteinerter Religionen und eine multireligiöse Gesellschaft, die inmitten dieses Skulpturenparks als getriebene, leicht lenkbare Masse herumirrt.
Bis ein neuer Heilsbringer erscheint. Der Figur des Hirten, der im Opernlibretto die Rolle eines neuen, eine (auch sexuell) befreite Welt versprechenden Heilsbringers einnimmt, ...
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Am Anfang der Operngeschichte stand die Idee eines Schauspiels, in dem die Worte nicht gesprochen, sondern gesungen werden.1 Die Formeln, mit denen die ersten Opernkomponisten das aus dem Sprechen abgeleitete Singen charakterisierten, heben die Vermittlung zwischen beiden Formen menschlicher Mitteilung hervor: Jacopo Peri etwa teilt mit, dass er in seiner...
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Mit ihren knapp zwei Stunden Musik scheint sich die Oper «Senso» eher am Format eines Liebesfilms zu orientieren als an dem einer festlichen Grand Opera, wie man sie anlässlich der Feierlichkeiten zum 150-jährigen Jubiläum der italienischen Einheit erwarten würde. Episch ist sie also nicht, zumal die Handlung auf Camillo Boitos 1883 veröffentlichtem gleichnamigen...
