Selbst ernannter Prophet

Mainz: Szymanowski: König Roger

Die Insignien und Embleme unterschiedlichster Religionen, sie fügen sich hier zu einem unheimlichen, erdrückend wirkenden Labyrinth aus Statuen. Antike Gottheiten: Buddhas, Pharaonen, Drachen, Madonnen, Gekreuzigte... Wer findet sich noch zurecht auf diesem Skulpturenfriedhof? Wer verheißt Orientierung? Wo sind die echten Heilsbringer?

Für Joan Anton Rechi, Alfons Flores und Moritz Junge ist diese Frage in Karol Szymanowskis «König Roger» so zentral, dass sie sie in ihrer Mainzer Interpretation dieses trotz seiner viel beachteten Wiederentdeckung in (u. a.

) Breslau, an der Pariser Bastille-Oper und bei den Bregenzer Festspielen 2009 noch immer selten gespielten Opernoratoriums mit einer alles dominierenden Bildsprache vor Augen führen – einer, die von Anfang an Zweifel herausfordert. Der katalanische Regisseur und sein Bühnen-/ Kostümbildner-Team zeigen eine Welt versteinerter Religionen und eine multireligiöse Gesellschaft, die inmitten dieses Skulpturenparks als getriebene, leicht lenkbare Masse herumirrt.

Bis ein neuer Heilsbringer erscheint. Der Figur des Hirten, der im Opernlibretto die Rolle eines neuen, eine (auch sexuell) befreite Welt versprechenden Heilsbringers einnimmt, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2011
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Alexander Dick

Vergriffen
Weitere Beiträge
Aus Fleisch und Blut

«Meine Erfahrung mit ‹Fidelio› ist eine ganz einfache: Ich bin als Zuschauer immer eingeschlafen, wenn ich diese Oper gesehen habe. Deshalb habe ich mich gefragt: Schaffst du eine Inszenierung, bei der das Publikum nicht einschläft? […]. Es ist eine wunderbare Oper, aber sehr statisch. Bewegung zu schaffen war die Herausforderung.» So formulierte Manfred...

Vokales Ebenmaß

Helene Steffan, die langjährige Tonmeisterin des Bayerischen Rundfunks, war eine resolute, ja gefürchtete Dame. Ihrem Ohr entging nicht der kleinste Fehler, und sie hatte keine Hemmungen, auch weltberühmten Künstlern deutlich zu sagen, was da gerade an Schludrigkeiten in die Mikros geschwappt war. Schwärmen oder Verklären war ihre Sache nicht. Doch in einem Fall...

Song Contest statt Sängerkrieg

Vielleicht ist ja die Fragestellung mittlerweile gänzlich obsolet geworden. Vielleicht gibt es den von der Gesellschaft verkannten, geächteten Künstler als Rebell, als Avantgardist gar nicht mehr. So, wie ihn Richard Wagner mit seiner Figur des Tannhäuser beschreibt. Zumal in Zeiten, in denen die Mechanismen des Marktes das kulturelle Geschehen dominieren: Pop ist...