Sehnsucht nach Direktheit
Schumann. Er erinnert an Robert Schumann, ein bisschen. Nicht physiognomisch, dafür ist er viel zu schlaksig. Auch ist nicht bekannt, dass Schumann sich der Welt je unrasiert gezeigt hätte. Nein, vor allem das Tempo ist es, das Tempo einer Schumann-Sonate: so rasch wie möglich. Und eben diese Spielanweisung scheint es irgendwo im Hinterkopf dieses erstaunlich begabten Menschen zu geben, als eine Art kategorischen Imperativ. Denke, handle und sprich schnell, das Leben rennt sonst an dir vorbei. Die Gedanken, die Ideen. Das, was du alles wissen willst. Und zeigen.
Ein Hungriger also, wissenshungrig, tatenhungrig, lebenshungrig. Und weil das so ist, spricht Sebastian Baumgarten eben auch in diesem flinken Tempo. All die Informationen, die er gespeichert hat, müssen schließlich irgendwohin, müssen aus der ideell-amorphen Welt hinaus, hinein in eine konkrete Welt. Und die befindet sich auf dem Theater. Mit und ohne Musik.
Da gilt es zunächst, einen Irrtum zu beseitigen. Sebastian Baumgarten hat nie gesagt, er wolle mit der Oper aufhören. Man hat es ihm angedichtet, vielleicht sogar, um diesen politischen, politisch denkenden und handelnden Regisseur davon abzuhalten, die Gattung, die ...
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Opernwelt Die Erosion des sogenannten Bildungsbürgertums lässt sich leicht mit zwei Zahlen konkretisieren: Im Jahr 1958, ergab eine Studie, waren 58 Prozent der Opernbesucher in Deutschland unter fünfzig. Im Jahr 2005 waren es noch 26 Prozent. Was damit verschwindet, ist zweifellos auch ein Common Sense über das, was kulturell wichtig ist, was man kennen muss. Was...
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Gedanken
Warum Musiktheater? Warum überhaupt komponieren? Immer wieder stellt sich mir diese Frage, wenn ich sprachlich auf Musik zugehe, auf ihre Geschichte und Gegenwart, ihre Rezeption und institutionellen Bedingungen. Und zugespitzt begegnet sie einem, wenn das Sujet selbst auf Sprache gründet, sie erzeugt und von ihr umgeben ist, wie es im Musiktheater der...
