Seelenverwandte

Clemens Krauss’ Bayreuther «Ring» von 1953 liegt in legaler Version vor – und bietet Gelegenheit zum Vergleich mit Keilberths Lesart von 1955

Der Schwarz- und Graumarkt ist ein finstres Fass – allerdings mit zahlreichen Löchern durchbohrt, so dass selbst vermeintlich streng gehütete Geheimnisse längst in die weite Welt entweichen konnten. Dazu zählt etwa der 1953 in Bayreuth mitgeschnittene «Ring» unter Clemens Krauss. 1953 dirigierte Krauss dort zum ersten Mal Wagners Tetra­logie, im Folgejahr hätte ein zweiter Zyklus folgen sollen, doch Krauss’ plötzlicher Tod im Mai verhinderte dies. Die Dirigate übernahm Joseph Keilberth.


Immer wieder kursierten von dieser 1953er Fassung Pressungen jedweder Art, nur keine wirklich offiziellen, zumindest nicht in Deutschland. Nun ist dieser Mitschnitt auch bei dem amerikanischen Label Opera d’Oro aufgelegt worden und bietet damit zugleich eine ideale Gelegenheit, ihn mit der soeben komplettierten Keilberth-Aufnahme von 1955 (siehe Besprechung auf dieser Seite) zu vergleichen. Die Sängerliste ist nahezu identisch, abweichend wä­ren etwa die Fricka und Waltraute von Ira Malaniuk sowie die Sieglinde von Regina Resnik zu nennen.
Der Dirigent Hartmut Haenchen hat in seinem Aufsatz «Richard Wagner und das Tempo in seiner Musik» einmal die Tempi der einzelnen «Ring»-Produktionen einander ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2007
Rubrik: CDs, Seite 62
von Christoph Vratz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Schlichte Größe

Glücklich ein jeder, der dieser Muse angesichtig wird. Ein ätherisch schönes Wesen, blond wie ein Engel, anmutig in den Bewegungen, mit geschmeidiger, einschmeichelnder Stimme – Gesine Nowakowski ist es, höchst talentierte Sängerin, noch nicht ganz zur Reife gediehen. Dirigent müsste man sein, jedenfalls in dieser durch und durch sehenswerten Produktion, dann würde...

Gentleman-like

Die Reihe der Live-Mitschnitte konzertanter Opernaufführungen mit Colin Davis und dem London Symphony Orchestra geht in die nächste Runde. Nach «Falstaff», «Les Troyens» und «Peter Grimes» liegt nun auch Beethovens «Fidelio» vor. Erstmals jedoch handelt sich um eine SACD-Produktion.
Der Unterschied zwischen dem Stereo- und Surround- Format ist hier so deutlich zu...

Eine Frage der Balance

Nach jahrzehntelangem Mo­dernisierungsstau in punc­to Sicherheit und Bühnentechnik gingen 2004 im Hessischen Staatstheater Kassel die Lichter aus: Eine Generalsanierung war gefragt. Zweieinhalb Jahre später feierte man im für 36 Millionen Euro rund­erneuerten Haus die Premiere von «Tristan und Isolde» – eine Wiederbegegnung mit gemischten Gefüh­len. Denn optisch...