Seelengesänge
Ach ja, die Liebe. Könnte so einfach sein, schwerelos, süß und seelenvoll, kurzum: die schönste Sache der Welt. Klappt nur leider nicht immer, das weiß auch der traurige Dichter Hoffmann. Aber er tröstet sich und uns damit, dass er seine melancholisch getünchten Erfahrungen in Töne kleidet und eben von dem singt, wovon er nicht mehr sprechen mag und was nur noch eine Art memoire involontaire ist, matt glänzende Erinnerung, fast schon verblasster Zauber.
Wenn Benjamin Bernheim (siehe Interview auf S.
30) seine Stimme erhebt (wobei: «erheben» ist nicht das richtige Wort, er lässt sie eher zart erbeben und durch den Raum schweben), dann ist man geneigt, ihm jedes sehnsüchtig empfundene Wort auf der Stelle zu glauben: Hier ist wirklich jemand, der das romantische Ideal individuell-verinnerlichter Weltwahrnehmung vermittels des Gesangs wieder in seinen Stand setzt und dazu nicht eine Sekunde lang laut werden muss. Bernheims Tenor ist genuin lyrisch, und selbst wenn er einmal einen Akzent nutzt, um einen bestimmten Ausdruck zu verdeutlichen, klingt sein Tenor noch wie in Watte gehüllt, vornehm und elegant. Die Technik des Franzosen ist nicht anders denn superb zu nennen, selbst hohe Töne ...
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Opernwelt November 2021
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Jürgen Otten
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Hochmut kommt vor dem Fall. Und dieser «Fall» ist tatsächlich todbringend. Der «Regent», der sich anmaßen wollte, Christus, der Erlöser, selbst zu sein und damit sogar noch über sein egozentrisches Credo «Ich bin» hinauszugelangen, stürzt ausgerechnet mit jenem Raumschiff ab, das er dem «Techniker» zu entwerfen aufgetragen hat. Nichts weniger als die Grenzen des...
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