Seelengesänge
Ach ja, die Liebe. Könnte so einfach sein, schwerelos, süß und seelenvoll, kurzum: die schönste Sache der Welt. Klappt nur leider nicht immer, das weiß auch der traurige Dichter Hoffmann. Aber er tröstet sich und uns damit, dass er seine melancholisch getünchten Erfahrungen in Töne kleidet und eben von dem singt, wovon er nicht mehr sprechen mag und was nur noch eine Art memoire involontaire ist, matt glänzende Erinnerung, fast schon verblasster Zauber.
Wenn Benjamin Bernheim (siehe Interview auf S.
30) seine Stimme erhebt (wobei: «erheben» ist nicht das richtige Wort, er lässt sie eher zart erbeben und durch den Raum schweben), dann ist man geneigt, ihm jedes sehnsüchtig empfundene Wort auf der Stelle zu glauben: Hier ist wirklich jemand, der das romantische Ideal individuell-verinnerlichter Weltwahrnehmung vermittels des Gesangs wieder in seinen Stand setzt und dazu nicht eine Sekunde lang laut werden muss. Bernheims Tenor ist genuin lyrisch, und selbst wenn er einmal einen Akzent nutzt, um einen bestimmten Ausdruck zu verdeutlichen, klingt sein Tenor noch wie in Watte gehüllt, vornehm und elegant. Die Technik des Franzosen ist nicht anders denn superb zu nennen, selbst hohe Töne ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt November 2021
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Jürgen Otten
«Passion» hat Véronique Gens ihr neues Album genannt, mit dem die französische Sopranistin zu ihren künstlerischen Wurzeln zurückkehrt. Gemeinsam mit Louis-Noël Bestion de Camboulas, dem Leiter des sie begleitenden Ensemble Les Surprises, hatte sie den zündenden Einfall, die für die französische Barockoper so typischen kurzen Airs und deklamatorischen Rezitative...
Die Eröffnung eines Festivals setzt vor allem Zeichen für die Zukunft. Und da zählen auch die kleinen Gesten. Sie erzählen von Visionen, deuten dramaturgische Linien an. Dies gilt insbesondere immer dann, wenn, wie im selbst Mitte September noch sommerlichen Venedig, ein Leitungswechsel vollzogen wird. Lucia Ronchetti heißt die neue Chefin der Biennale Musica. Und...
Gefragt, welcher griechische Künstler des 20. Jahrhunderts einem spontan als «prägend» in Erinnerung sei, werden womöglich nicht wenige ihn als ersten nennen. Und dies aus gleich zwei Gründen: einem musikalischen und einem politischen. Denn wie kaum ein anderer hat Mikis Theodorakis kompositorische Wirksamkeit gesucht (und gefunden) und zugleich als Homo politicus...
