Seelengesänge
Ach ja, die Liebe. Könnte so einfach sein, schwerelos, süß und seelenvoll, kurzum: die schönste Sache der Welt. Klappt nur leider nicht immer, das weiß auch der traurige Dichter Hoffmann. Aber er tröstet sich und uns damit, dass er seine melancholisch getünchten Erfahrungen in Töne kleidet und eben von dem singt, wovon er nicht mehr sprechen mag und was nur noch eine Art memoire involontaire ist, matt glänzende Erinnerung, fast schon verblasster Zauber.
Wenn Benjamin Bernheim (siehe Interview auf S.
30) seine Stimme erhebt (wobei: «erheben» ist nicht das richtige Wort, er lässt sie eher zart erbeben und durch den Raum schweben), dann ist man geneigt, ihm jedes sehnsüchtig empfundene Wort auf der Stelle zu glauben: Hier ist wirklich jemand, der das romantische Ideal individuell-verinnerlichter Weltwahrnehmung vermittels des Gesangs wieder in seinen Stand setzt und dazu nicht eine Sekunde lang laut werden muss. Bernheims Tenor ist genuin lyrisch, und selbst wenn er einmal einen Akzent nutzt, um einen bestimmten Ausdruck zu verdeutlichen, klingt sein Tenor noch wie in Watte gehüllt, vornehm und elegant. Die Technik des Franzosen ist nicht anders denn superb zu nennen, selbst hohe Töne ...
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Opernwelt November 2021
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Jürgen Otten
«Mehr, ich bitte dich, mehr! Ich kann Melancholie aus einem Liede saugen, wie ein Wiesel Eier saugt», schwärmt der Höfling Jacques in Shakespeares «Wie es euch gefällt», als sein Freund Amiens ihm im Ardennerwald singend die Zeit vertreibt. Die Airs und Chansons, die der französische Bariton Marc Mauillon auf dieser Doppel-CD auf nachgerade berückende Weise singt,...
Anno Mungen ist nicht der Erste, der sich auf die Suche nach Wieland Wagners Anfängen macht. Seine nüchtern protokollierende Chronik stellt zusammen, was die Fakten hergeben. Hier kann er, gegenüber Brigitte Hamann und Ingrid Kapsamer (deren Monografie er nicht erwähnt), mit neuen Funden aufwarten. Er hat die ungedruckten Tagebücher von Gertrud Strobel, der Frau...
62. Jahrgang, Nr 11
Opernwelt wird herausgegeben von Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
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Best.-Nr. 752349
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