Schwungvolles Plädoyer
Sie haben Recht behalten, der junge Hindemith und sein Librettist Marcellus Schiffer. Die Themen ihrer 1929 in Berlin von Otto Klemperer uraufgeführten lustigen Oper «Neues vom Tage» sind heute so aktuell wie damals. Kaputte Beziehungskisten, inszenierte Ehehöllen, intime Bekenntnisse für die Masse – wir kennen das. Wenn nicht aus eigener Anschauung, so doch via RTL oder aus der Regenbogenpresse. Auch die Einsicht, dass sich mit den kleinen und großen privaten Katastrophen auf dem Boulevard glänzend Geschäfte machen lassen, ist uns wohl vertraut.
Am Missgeschick der anderen kann man das eigene Mütchen eben am besten kühlen, zumal wenn es bis zur Unkenntlichkeit geschrumpft ist. Von diesem Antrieb lebt die Skandalgeschichte – seit eh und je.
Im politisch polarisierten Reizklima der späten Weimarer Republik ist die rasante Farce um zwei scheidungswillige Paare und einen öligen Vermittler, der schon mal einer Klientin im Museum nachstellt, selbst zum Skandalfall geworden. An dem Arioso nämlich, das der Sopran Laura (besagte Klientin) zu Beginn des zweiten Teils mit schönster Strauss’scher Kantileneninbrunst in der Badewanne über den Luxus der Warmwasserversorgung anstimmt, entzündeten ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Wann hat es ein neues, junges Opernfestival geschafft? Wenn sich die internationale Presse aufmacht ins noch immer etwas abgelegene Baltikum? Wenn sich im Publikum auch Reisegruppen von Opernfreunden finden, die es – etwa in Baden-Baden – sonst eigentlich etwas exklusiver und teurer haben? Wenn auch das einheimische Publikum trotz eher niedriger...
Vierzig Jahre haben die Berliner Philharmoniker «Die Walküre» nicht gespielt. Seit Karajans epochalem «Ring des Nibelungen» (1966-1970) wechselten nicht nur die Chefdirigenten, sondern auch die Ästhetik des Orchesters hat sich grundlegend geändert. In Karajans Schönklang-Wagner triumphierten vor allem die Violinen, überirdisch schön, über den Rest der Welt. Sein...
Claude Debussys musiktheatralisches Meisterwerk hatte in Russland einen schweren Stand. Dreizehn Jahre nach der Pariser Uraufführung 1902 ereilte «Pelléas et Mélisande» am Petrograder Theater ein kurzes, unglückliches Bühnenschicksal – in Gestalt einer Produktion, die nur einen Torso des Originals und den obendrein in russischer Sprache präsentierte. Erst jetzt,...
