Schwungvolles Plädoyer

Nordhausen, Hindemith: Neues vom Tage

Opernwelt - Logo

Sie haben Recht behalten, der junge Hindemith und sein Librettist Marcellus Schiffer. Die Themen ihrer 1929 in Berlin von Otto Klemperer uraufgeführten lustigen Oper «Neues vom Tage» sind heute so aktuell wie damals. Kaputte Beziehungskisten, inszenierte Ehehöllen, intime Bekenntnisse für die Masse – wir kennen das. Wenn nicht aus eigener Anschauung, so doch via RTL oder aus der Regenbogenpresse. Auch die Einsicht, dass sich mit den kleinen und großen privaten Katastrophen auf dem Boulevard glänzend Geschäfte machen lassen, ist uns wohl vertraut.

Am Missgeschick der anderen kann man das eigene Mütchen eben am besten kühlen, zumal wenn es bis zur Unkenntlichkeit geschrumpft ist. Von diesem Antrieb lebt die Skandalgeschichte – seit eh und je.
Im politisch polarisierten Reizklima der späten Weimarer Republik ist die rasante Farce um zwei scheidungswillige Paare und einen öligen Vermittler, der schon mal einer Klientin im Museum nachstellt, selbst zum Skandalfall geworden. An dem Arioso nämlich, das der Sopran Laura (besagte Klientin) zu Beginn des zweiten Teils mit schönster Strauss’scher Kantilenen­inbrunst in der Badewanne über den Luxus der Warmwasserversorgung anstimmt, entzündeten ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2007
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Albrecht Thiemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Prinzip Hoffnung

Zwar reicht die Auto­bahn endlich ganz bis zur drittgrößten, 180 000 Einwohner zählenden Stadt Ungarns, doch empfängt Miskolc seine Gäste zunächst mit einem Dschungel real­sozialistischer Plattenbauten. Schlagartig wird angesichts dieser Kulisse klar, dass zahlungskräftiges Pub­likum hier nur Mangelware sein kann. Vor sieben Jahren haben sich die damaligen Leiter...

Archaischer Kindertraum

Der Regisseur, sagte die Komponistin vor der Uraufführung, habe ihre «Unzufriedenheit» bemerkt. Sie müsse aber achtgeben, was sie über die Inszenierung sage, denn «ich will keinen Skandal». Er, das ist der 73-jährige Bühnen­künstler Achim Freyer, sie die 45-jährige, aus Korea stammende Komponistin Unsuk Chin, die Lewis Carrolls Kinderbuch für Erwachsene «Alice in...

Surreale Drohkulisse

Der Ausgangspunkt war Gertrude Stein. ­Eigentlich wollte Pascal Dusapin eine Kam­mer­oper über «Doctor Faus­tus lights the Lights» schreiben. Doch dann platzte Robert Wilson mit einem Stein-Faust-Projekt in die Vorarbeiten. So blieben die Skizzen unerledigt liegen. Die Figur ließ den Komponisten allerdings nicht mehr los.
Einen Auftrag der Berliner Staatsoper in der...