Lahmgelegt

Bloß kein Operettensound: Der Komponist Benjamin Schweitzer liefert in Chemnitz ziemlich welke «Südseetulpen» ab

Eine musiktheatralische Uraufführung, die sich mutig als «Operette» bekennt – das macht neugierig. Der 43-jährige deutsche Komponist Benjamin Schweitzer, auf der Opernbühne kein Unbekannter («Informationen über Bartleby» nach Melville, «Jakob von Gunten» nach Robert Walser) kann sich vor allem auf die brillanten Auslassungen des Germanisten und Operettenforschers Volker Klotz stützen, wenn er das «Subversive» des scheinbar trivialen und verstaubten Genres favorisiert und sich sicher ist, dass in diesem Gefäß allerlei Heterogenes und Widerspenstiges unterzubringen sei.

Also «Operette» und nicht das angelsächsisch konnotierte, und seit Langem auch hier zeitgeistgemäß populärere «Musical». Wer nun daraus schlösse, dass Schweitzer das ältere Stammpublikum sanft bei der Hand nähme und ihm, gar als Sonntagnachmittagsunterhaltung, alten Wein in blitzneuen Schläuchen oder wohlbekömmlich neuen in hübsch gemusterten alten brächte, sieht sich getäuscht. So sympathisch es anmuten mag, dass Schweitzer sich nicht an konservative Theaterkundschaft heranschmeißt, so fragwürdig ist gleichwohl die an Etikettenschwindel grenzende Deklaration einer Unterhaltsamkeit, die dann doch wohl eher unterlaufen ...

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Opernwelt März 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Hans-Klaus Jungheinrich