Schwarze Kacheln
Die «grauenvolle Stille», welche Florestan im finstersten Winkel des Staatsgefängnisses von Sevilla umfängt, ist so beredt wie eine Generalpause in einer Symphonie von Anton Bruckner. Die Assoziationsmaschine seines Gehirns läuft auf Hochtouren. Er denkt zurück an des Lebens Frühlingstage und antizipiert zugleich hellere Zeiten, imaginiert «sanft säuselnde Luft», gar einen Engel, der ihn zur Freiheit führt. Eine derart tosende Stille, in der selbst Kerkerschimmel noch die Imagination von «rosigem Duft» hervorruft, bedarf freilich der sinnlich-analogen Vermittlung.
Die Bewusstseinsströme der Energien, Erinnerungen und Emotionen müssen fließen können – selbst dann, wenn nur ein einzelner Mensch sein Schicksal verhandelt, wie hier in einer die Vereinzelung auf die Spitze treibenden Arie von Beethoven, in der die Utopie, ins «himmlische Reich» auszubrechen mit der Fast-Schon-Unsingbarkeit der tenoralen Extremlage einhergeht.
Doch wie ist das mit der neuen Stille auf den verwaisten Bühnen, in extradünn besetzten Proben- und Unterrichtsräumen einer künstlerischen Hochschule? Was sagt uns diese Stille? Im dominant gewordenen, derzeit verpflichtenden Digitalkontext der ...
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Opernwelt März 2021
Rubrik: Focus Spezial, Seite 19
von Peter Krause
Es ist nur ein Blick, kurz, flüchtig, beiläufig. Man könnte ihn, wäre man für Sekunden unaufmerksam oder abgelenkt, sogar übersehen. Doch Vorsicht ist geboten. In diesem Blick steckt weit mehr als eine knappe Beobachtung; eine ganze Anschauung ist darin verborgen. Und für mein Thema überaus wichtig: Es ist der Blick einer Frau, der einer anderen Frau gilt. Und...
JUBILARE
Yuri Simonov kam in Saratow an der Wolga zur Welt. Er studierte am Leningrader Konservatorium bei Nikolai Rabinowitsch und begann seine Karriere als Assistent Jewgeni Mrawinskis bei den Leningrader Philharmonikern. Sein Erfolg beim Dirigentenwettbewerb der Accademia Santa Cecilia in Rom 1968 bescherte ihm ein Jahr später die Einladung ans Moskauer Bolschoi...
Sieh an: Reisen ist nicht wie Fahrradfahren. Kaum bleibt man mal drei Monate zu Hause – zum Beispiel wegen einer Pandemie – ist die Jetset-Souveränität wie weggeblasen. Plötzlich kann man in der Nacht vorm ersten Flug vor Aufregung nicht schlafen und packt für vier Tage Köln den großen Überseekoffer.
Freiberufler in der Musikbranche müssen halt dahin, wo es noch...
