Schwanken darf sein

Diana Damrau triumphiert als Aminta in «Die schweigsame Frau». «Tosca» kommt von der Met, Christoph Schlingensief schaut mit «Remdoogo» vorbei. Über die Münchner Opernfestspiele

Opernwelt - Logo

Flügelhelm gerade gerückt, Speer herausgestreckt, dann energisch aufs Opfer zugeschritten: «Hojotoho», entfährt es der aufstampfenden Aminta. Sir Morosus zuckt zusammen. Was natürlich alles nicht in der Partitur steht. Ebenso wenig wie Amintas sieben Monate währende Schwangerschaft. Doch eine vorgeblich Schüchterne, die auch noch anderes in die fingierte Ehe mitbringt, das passt.

Besonders wenn diese Aminta von Diana Damrau verkörpert wird, die von der baldigen Geburt ihres Sohnes bereitwillig in Interviews erzählt und bei den Münchner Opernfestspielen ihre letzte Premiere vor der Baby-Pause singt.

Als Titelheldin in der «Schweigsamen Frau» von Richard Strauss ist Diana Damrau auf der Bühne des Prinzregententheaters eine Selbstläuferin. Alles nimmt man ihr ab, vom schmolllippigen Liebchen bis zur aufgekratzten Spitzentonschleuder. Regisseur Barrie Kosky weiß und nutzt das natürlich. Mit feinem Komödien-Florett arbeitet er dabei nicht, serviert die Strauss-Oper vielmehr als Groteske inklusive Tortenschlacht und Transennummer. Was nicht unbedingt falsch ist: Der Humor dieses Werks ist bestenfalls ein ferner Verwandter von Mozarts subtiler Komik.

«Die schweigsame Frau», früher unter ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2010
Rubrik: Festspiele I, Seite 26
von Markus Thiel

Vergriffen
Weitere Beiträge
Alte Meister

Eigentlich müsste Aribert Reimanns 1971 in Schwetzingen uraufgeführte Öko-Oper «Melusine» nach der surrealistischen Märchen-Tragikomödie Yvan Golls ein Repertoirewerk sein wie der Welterfolg «Lear». Das Sujet, die Zerstörung der «weiblichen» Natur durch «männliche» Ratio, lässt sich aktueller nicht denken. Die Musik ist dramatisch wirkungsvoll, von geheimnisvollem...

«Vornehm und gut»

«Wir sind zwar mit der Eröffnung ungünstigerweise in einen Zeitpunkt des Stillstands des wirtschaftlichen Aufschwungs geraten, und es ist daher nicht auffallend, dass man oft zweifelnde Fragen aufwerfen hört, ob das Stadttheater nicht kleiner und billiger hätte ausgeführt werden sollen. Doch die Mitglieder des Stadtrats und der Stadtverordneten, welche damals...

In der Trinkhalle

Wieder mal nach Bad Wildbad. Wieder mal das erste Viertel Weißherbst auf der Terrasse des «Bären», der seit einer Weile auch «Hotel Rossini» heißt. Wie auch nicht? Der Maestro suchte sich, 1856 hier logierend, im Tal der Enz schließlich von seinen Gebrechen zu kurieren. Wieder also bei «Rossini in Wildbad», dem kleinen, aber feinen Festival im Nordschwarzwald, dem...