Schwabenfleiß

Haydns «Reisende Ceres» als deutsche Erstaufführung an der Jungen Oper Stuttgart

Ein kleines schwäbisches Dorf im Stande der paradiesischen Unschuld, etwa um das Jahr 1780. Die Fruchtbarkeitsgöttin Ceres (Franziska Arndt), begleitet von ­ihrer Dienerin Phobe (Barbara Schedel), möchte die Dorfbewohner im Ackerbau und in der Viehzucht unterweisen. Zu­nächst aber begegnet sie nur Ungläubigkeit und Spott. Denn die einfältigen Bauern, die da irgendwo zwischen Tuttlingen, Sigmaringen und Donaueschingen in einem höhlenartigen Heuberg (Bühne: Okarina Peter und Timo Dentler) leben, haben noch nichts vom sprichwörtlichen Schwabenfleiß gehört.

Im Gegenteil, sie singen eingangs – man glaubt es kaum – Lessings Loblied der Faulheit. Weil erst der kraftgenialische Friz (Ricardo Frenzel) die Göttin beleidigt und dann auch noch die Bauern halsstarrig bleiben, verwandelt Ceres alle Männer in Frösche. Da hilft auch kein Kuss mehr. Die Frauen bitten um Versöhnung und schicken den Knaben Loipl vor. Ceres bietet ihnen einen Handel an: Für jede richtige Antwort beim Quiz über die Regeln der Landbestellung werde ein Frosch in einen Mann zurückverwandelt. Als Letzter kehrt auch Friz zurück. Er soll sich künftig der Dichtkunst weihen – und spätestens da wissen wir, wenn wir’s vorher ...

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Opernwelt Mai 2005
Rubrik: Magazin, Seite 28
von Uwe Schweikert

Vergriffen
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