Himmel und Hölle

Mit Schumann und Goethe kehrte die Berliner Staatsoper in ihr Stammhaus Unter den Linden zurück. Für eine Woche. Richtig los geht’s erst im Dezember

Nun ist sie also wieder herausgeputzt, Berlins Lindenoper. In schönstem Pseudo-Rokoko. Zartrosa schimmert die Fassade, in drei verschiedenen Farben die Wandbespannung der Foyers um Parkett und Ränge. Von Glanz und Gloria der Kulturnation sollen sie wieder künden, die korinthischen Säulen des Portikus am historischen Hauptstadtboulevard, die mächtigen Pilaster im Apollo-Saal, die rotgepolsterten, weißgerahmten Klappsitze in dem um fünf Meter erhöhten großen Saal.

Eine friderizianisch gezierte Schatzkiste hat Architekt HG Merz abgeliefert, die baulichen Zeichen unserer Zeit dezent in Nischen (Aufzüge), ins Untergeschoss (Toiletten, Garderoben) oder hinter Histo-Ornamentik (ein vor die Nachhallgalerie unter der Decke geblendetes Keramikgitter) versteckt. Also alles genau so gemacht wie von jener merkwürdigen Koalition preußennostalgischer Traditionalisten gewünscht, die vor neun Jahren den kühn Alt und Neu verknüpfenden Siegerentwurf eines internationalen Wettbewerbs (Klaus Roth) gekippt hatte, der die Funktionalität des mehrfach beschädigten und veränderten Knobelsdorff-Baus (Besucherströme, Sichtverhältnisse, Akustik) substantiell verbessert hätte (siehe OW 8/2008). Gegen den Rat ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Albrecht Thiemann