Schumann, der Grenzgänger
Die Visitenkarte noch vor der offiziellen Amtseinführung – so stellt sich der erste Mitschnitt des London Symphony Orchestra mit seinem künftigen Chef Simon Rattle dar, der nun beim orchestereigenen Label veröffentlicht worden ist. Thema ist Robert Schumanns genial-befremdliches Oratorium «Das Paradies und die Peri», in dem einige Dirigenten sein bestes Werk für Orchester erkennen wollen. Rattle ist einer dieser Befürworter, sonst hätte er es nicht schon in Berlin und München präsentiert. Nun also brachte er seine Erfahrungen nach London.
Das Ergebnis liegt jetzt als Doppel-SACD und Audio-Bluray-Version vor. Doch als herausragend kann man das Klangbild, trotz des technischen Aufwands, nicht einstufen.
Das Orchester musiziert agil, folgt geschmeidig den Impulsen seines künftigen Taktgebers, mitunter auch etwas zaghaft, als wolle man (noch) nicht das ultimative Abenteuer wagen. Das hat wohl auch ein bisschen mit Rattles Neigung zu tun, eher auf weiche Linien als raue Akzente zu setzen. Insofern bleiben die Einspielungen unter Nikolaus Harnoncourt und John Eliot Gardiner erste Wahl. Die Solisten bilden ein homogenes Ensemble. Freilich erreicht Sally Matthews als Peri weder die ...
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Opernwelt März 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 19
von Christoph Vratz
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