Schubert. Schubert?

Seine Freunde nannten ihn «Schwammerl», was weit weniger tragisch klingt als viele seiner Kompositionen. Klischees aber sind uns beim «Nachdenken über Franz S.» ohnehin hinderlich, wie eine neue Biografie beweist.

Beschreibung:
Als Komponistenpersönlichkeit lässt sich Franz Schubert (1797-1828) nicht auf eine einfache Formel reduzieren, auch wenn es schon hunderte Male versucht worden ist. Weder war er ein «Liederfürst» (außerhalb seiner Heimatstadt Wien, die er fast nie verließ, blieb er zeitlebens so gut wie unbekannt), noch ein abgründiges Genie, ein «Todesmusiker», und auch die Zuschreibung «Wiener Beitrag zur Romantik» zeugt von relativ hilflosen Einordnungsversuchen.

Schuberts Werk ist zeitlos-zwischenzeitlich, überspannt die Grenze zwischen Klassik und Romantik.

Der österreichische Musikwissenschaftler Gernot Gruber hat sich der schillernden Musikerfigur aufs Neue genähert und eine Biografie geschrieben, die sich jenseits von schon Jahrhunderte alten Klischees bewegt. Das Buch ist in zwei große Komplexe unterteilt: Der erste Teil schildert Schuberts Leben vor dem Hintergrund des kulturgeschichtlichen Zeitgeschehens, der zweite konzentriert sich auf Schuberts kompositorische Entwicklung.

Bewertung:
Grubers Monographie zeichnet sich durch eine skeptische Haltung gegenüber der Rezeptionsgeschichte von Schuberts Musik aus. Bei jemandem, über den so viel geschrieben wurde, angesichts der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2006
Rubrik: Gernot Gruber, Seite 122
von Sebastian Blottner

Vergriffen
Weitere Beiträge
Buffa-Trouvaille

Beim Grafen von Belfiore hängt der Haussegen schief. Seine Frau hat guten Grund, sich nicht mehr von ihm geliebt zu fühlen («Ah, dove è andato quel primo affetto») und missbilligt seine Neigung zu ihrem Kammermädchen Dorina, die sie durch eine Heirat mit dem Gärtner Mingone aus dem Haus schaffen will. Der Graf dagegen will sie mit seinem Diener Titta verheiraten,...

Salieri: La cifra

Rusticone hat zwar keine Chance, doch braucht es zwei kurzweilige Akte, bis diese Erkenntnis auch in seinem Oberstübchen angekommen ist. Das Fräulein Eurilla nämlich, welches der Bauer einst in seine Obhut nahm und (in schnöder Vorteilsnahmeabsicht) als eigene Tochter ausgibt, entpuppt sich als figlia eines schottischen Edelmannes. Am Ende wird sie natürlich –...

Überflüssig

Wer Lohengrin war? Diese Frage lässt sich, mit Glauben an den Mythos, noch relativ leicht beantworten, zumal der edle Ritter von der Burg Monsalvat dies Geheimnis in seiner umfassenden Erzählung selbst dem Volke kundtut. Wer aber Lohengrin ist oder vielmehr, was er sein kann, was er für uns bedeutet, als Symbol oder als Metapher, das wiederum scheint eine weit...