Schöner Schein
Jacques Offenbach widerlegte Theodor W. Adorno bereits vier Jahrzehnte vor dessen Geburt: Schließlich beweisen seine Operetten, dass es sehr wohl ein «richtiges Leben im falschen» gibt. Zumal das «Pariser Leben» ja nur so vor Täuschungen durch Masken, Kostümierungen und Dekorationen strotzt, die im provinzadligen dänischen Ehepaar von Gondremark (Heike Wittlieb und Jörg Sabrowski loten am Theater Kiel die Fallhöhe ihrer Figuren grandios aus) freilich keinerlei Enttäuschungen hervorrufen.
Das Gespann spielt selbst dann noch begeistert mit, als es den ganzen Lug und Trug immer deutlicher durchblickt, mit dem Bobinet und Gardefeu es zu foppen versuchen. Das französische Freundespaar steckt schließlich einfach Vertreter der niederen Gesellschaftsschichten in die feschen Klamotten der Aristokratie, gaukelt den naiven Nordlichtern vor, in einer Dépendance des Grand Hotels zu logieren und mit ihresgleichen zu verkehren, um sie nach Kräften um ihre Barmittel zu bringen und zudem bei der Baronin sexuell zu punkten. Was wollte da das wahre Leben des dunklen dänischen Alltags zählen, wenn das volle Vergnügen des erfüllten Augenblicks in der Hauptstadt von Lust und Laster lockt?
Stephan ...
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Opernwelt März 2023
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Peter Krause
Roms Glaube ohne Worte!» wollte Friedrich Nietzsche in Richard Wagners «Parsifal» gehört haben, nachdem er vom Verehrer zum Intimfeind des Bayreuther Meisters mutiert war und auf dessen kunstreligiöse Anwandlungen nebst Keuschheitsethik nur mehr mit Bissigkeit antworten konnte. Um die böse Sentenz des Philosophen bloß nicht zu bestätigen, tilgt Michael Thalheimer...
Das Eduard-von-Winterstein-Theater Annaberg-Buchholz hat sich mit Ausgrabungen einen Namen gemacht. Jetzt setzt Intendant Moritz Gogg noch eine Operetten-Uraufführung obendrauf. Daniel Behle und das erzgebirgische Theater treten feuchtfröhlich gegen das verbreitete Klischee an, die Operette sei tot, weil nichts Neues mehr komme.
Behle ist ein erstklassiger Tenor...
Gott ist widerlegt, aber der Teufel nicht», besagt ein nachgelassenes Fragment von Friedrich Nietzsche. So oft auch Gott in Giuseppe Verdis Opern beschworen werden mag: Ihre Figuren erfahren die Welt als kontingent, als Anhäufung böser Zufälle, denen Menschen im Zweifelsfall eher noch zu- als abhelfen. Da kommt der König des Nachts als Gast ins Schloss, und Macbeth...
