Schöne Bescherung
Als kleiner Junge stand auch ich oft mit leuchtenden Augen vor dem Weihnachtsbaum, und ich erinnere mich gern an diese Zeit zurück. Trotzdem empfinde ich Pfitzners «Christelflein» als ein ziemlich ungenießbares Machwerk. Denn hier kommt zusammen, was absolut nicht zusammengehört. Dräuendes Erlösungspathos und affektierte Kindlichkeit, nachwagnerische Leitmotivik und gestelzt zitierte Weihnachtslieder, Pfitzners strenger und spröder Tonsatz kollidiert ständig mit dem süßlichen Text.
Mit einer Ausnahme: In der musikalischen Beschreibung der Christkindchen-Sphäre greift er derartig in den Honigtopf, dass daneben Humperdincks «Vierzehn Englein» wie eine Nulldiät wirken.
Als vorweihnachtliches Theaterangebot hat sich «Das Christelflein» mit gutem Grund nicht gegen «Hänsel und Gretel» durchsetzen können. Dass es immer wieder Versuche gibt, es wenigstens in konzertanter Form am Leben zu erhalten, erklärt sich aus der Reputation des Komponisten, dessen konservative Haltung auch als Rebellion gegen den Zeitgeist zu verstehen ist. Die Sehnsucht nach der «heilen Welt» hatte im Kriegsjahr 1917 nach dem Zusammenbruch des Kaiserreichs und aller Werte, die es vertrat, auch eine politische ...
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Frau Rosenberg, als Sie 2001 als Intendantin in San Francisco antraten, hatten Sie hoch gesteckte Ziele und wollten das Publikum sowohl mit einer Menge dort unbekannter Musik als auch mit Regietheater europäischer Prägung konfrontieren. Wie viel davon konnten Sie verwirklichen?
Ich denke, ich habe etwa die Hälfte von dem erreicht, was ich wollte. Ich habe, milde...
Es ist eine jener Premieren, die geradezu schizophren wahrgenommen wird: Fast geschlossen freut sich die zahlreich erschienene Presse an Christina Gassens Inszenierung von «Hänsel und Gretel» am Mainzer Staatstheater. Doch beinahe ebenso geschlossen hatte das Premierenpublikum lautstark gegen die Deutung votiert – Publikumsbeschimpfung aus den eigenen Reihen...
Pierre Boulez bezeichnete einmal die Vertonung von Gedichten als «Lektüre mit Musik». Das war durchaus polemisch gemeint, und dahinter steckte eine Frage: Wen interessiert es überhaupt, wenn ein Komponist seine Klänge über einen Text gießt, der ohnedies vollendet ist und seine eigene Wort-Musik macht? Zwischen Kopie, Verfälschung und Innovation sind da viele...
