Schön schauerlich

Matthias Goerne schließt mit «Winterreise» sein Schubert-Projekt ab

Schwammerl» nannten ihn seine Freunde. Im Hochdeutschen bedeutet das «Pilzling»; es zielte wohl auf Franz Schuberts körperliche Disposition: untersetzt, klein, beleibt. Und in Gesellschaft oft scheu und irritiert. Doch das war quasi die Vorderansicht, die Hülle des Komponisten. Um die Rückansicht, die Innen- und Nachtseite, um den Schöpfer von zuletzt «schauerlichen Liedern» kämpft Matthias Goerne in seinem nunmehr zwölf CDs umfassenden Schubert-Projekt – mit ganzer Seele, ganzem Leib.

Was man in den Liederabenden des Baritons hautnah erlebt, auch körperlich scheint er da um den Komponisten zu ringen. Nun ist diese Fahrt zum Planeten Schubert, die der Bariton mit zahlreichen Pianisten – darunter Elisabeth Leonskaja, Helmut Deutsch, Ingo Metzmacher sowie eben Christoph Eschenbach – unternahm, abgeschlossen. Wobei der französische Schubert-Guru Christophe Ghristi den dramaturgischen Cicerone gab und die Reisenden an manchen Stationen vorbeiführte, von denen sie selbst bis dahin vermutlich nicht allzu viel gewusst hatten, etwa an den Vertonungen von Gedichten Schlegels oder den Körner-Liedern. Die letzte Station ist eben jene der erwähnten «schauerlichen Lieder»: der Zyklus ...

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Opernwelt Februar 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 21
von Gerhard Persché

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