Schockgefroren
Der Alptraum hat nichts Exotisches. Er nistet mitten unter uns. Im ganz normalen Wahnsinn des kleinbürgerlichen Alltags. Auf der Bühne: Leute von heute in lässigen Klamotten. Steril, aseptisch, schreiend kalt mutet die Behausung dieser geschlossenen Gesellschaft an – ein weiß gleißender Kubus. Ein paar Umzugskisten, billiges Polstermobiliar, zwei diagonal angeordnete Tische. Dazwischen ein riesiger Bilderrahmen, so leer wie der schockgefrorene Blick der überlebensgroßen nackten Barbiepuppe, die hinten auf der Bühne liegt, Schenkel und Scham schwarz beschmiert.
Über allem hängt ein grüner Magritte-Apfel. Ein schwebendes Ambiente zwischen Realismus, Surrealismus und Psycho-Symbolik.
Nicht nur Freud gehört in Franz Schrekers 1918 uraufgeführter Oper «Die Gezeichneten» zum geistigen Inventar. Auch Schopenhauers philosophischer Pessimismus, seine Abrechnung mit dem Fortschrittsdenken schwingen im Hintergrund mit. Wildes, skeptisches Denken, das Nietzsche und Wagner begierig aufgreifen sollten. Die Vorstellung, dass «jedes Tier die Beute und Nahrung eines andern wird», dass Instinkt und Trieb stets mächtiger sind als alle Vernunft – derlei ist keine Erfindung des komponierenden ...
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Dreieinhalb Jahre ist Argentiniens berühmtester Bau nun schon dicht. Seit am 1. November 2006 im legendären Teatro Colón das Licht ausging und die überfällige Rekonstruktion des maroden Hauses in die entscheidende Phase trat, prägten Architekten, Handwerker, Chaos und Streit das inwendige Bild. Immer wieder blieb die Restaurationsarbeit an den güldenen Ornamenten,...
Krass auseinanderdriftende Premierenkritiken, heftige Publikumsreaktionen noch in der dritten Vorstellung: Den Titel der «umstrittensten Produktion der Saison» dürfte die Komische Oper für ihren neuen «Fidelio» sicher haben. Nach den letzten, erschreckend belanglosen Premieren («Don Pasquale», «Orlando») kann man das immerhin als Lebenszeichen werten – ob der...
Die Spielpläne deutschsprachiger Opernhäuser werden, wie eine Durchsicht des Jahrbuchs dieser Zeitschrift ergibt, bei durchschnittlich fünf bis sechs Neuproduktionen in der Regel nach einem leicht durchschaubaren Verfahren gemischt. Dabei wird das klassisch-romantische Kernrepertoire (Mozart bis Richard Strauss) um einen mehr oder weniger wagemutigen Ausrutscher...
