Schnörkelloser Ernst
Auf der Suche nach zu Unrecht vergessenen Werken des französischen Repertoires ist der Nürnberger Intendant Peter Theiler wieder einmal fündig geworden. Die Oper «Moïse et Pharaon», die Rossini 1827 für Paris komponierte, ist zwar kein Originalwerk, sondern eine Bearbeitung des italienischen «Mosè in Egitto», entfernt sich aber weit von der Vorlage. Das biblische Drama vom Auszug der Israeliten aus Ägypten war trotz seiner oratorischen Züge ein entscheidender Schritt zur grand opéra.
Wie später bei Meyerbeer und Halévy sind es politische und ideengeschichtliche Gegensätze – weltliche Anmaßung und Gottesherrschaft, Polytheismus und Monotheismus, Machtgebot und Freiheitswille –, die das Werk weit über die Sphäre der alten Seria hinausheben. Zwar kommen Rossini und seine Librettisten nicht ganz ohne die Individualtragödie aus – die unglückliche Liebe von Moïses Nichte Anaï zu Aménophis, dem Sohn des Pharao –, aber diese bleibt dem Freiheitskampf der Hebräer untergeordnet. Im Zentrum der Oper steht das Volk, steht der Prophet Moïse, der die Macht seines Gottes mit Finsternis und Schrecken zu demonstrieren weiß – spektakuläre szenische Tableaus voll neuartiger musikalischer ...
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Es war eine glückliche Entscheidung, Andrea Marcon für Alte-Musik-Projekte an die Oper Frankfurt zu binden. Denn Marcon ist nicht nur ein hervorragender Cembalist (und Leiter eines renommierten Spezialensembles), sondern auch Lehrer an der Schola Cantorum Basiliensis, also ein erfahrener Pädagoge, der Orchestermusikern beibringen kann, was barocke Musik jenseits...
Ja, 1927 war es leicht, einen klaren politischen Standpunkt einzunehmen. Als Kurt Weill und Bertolt Brecht ihr «Mahagonny-Songspiel» schrieben, hatte die kommunistische Utopie noch nichts von ihrer Strahlkraft eingebüßt, und es war genau auszumachen, wo der Feind stand. Fast mochte man meinen, Franck Ollu und das Ensemble Modern wollten zur Eröffnung des 18....
Etwas ist faul im Hause Almaviva. Zwar verläuft David Hermanns Inszenierung von «Le nozze di Figaro» am Luzerner Theater weitgehend in den gewohnten Bahnen – doch wer sind die uniformierten Herren, die im Hintergrund auffällig unauffällig das Geschehen beobachten? Warum hat der Graf immer wieder unerwartete Aussetzer? Und warum ist Basilio so hochneurotisch?...
