Schnell, fremd, unberechenbar
In einer Oper genügen fünf Minuten, um einen Krieg glaubwürdig auf der Bühne zu zeigen. Im Schauspiel braucht man dafür vier Tage. Das ist die enorme Kraft der Musik. Wir kennen alle das Klischee des Opernsängers, der minutenlang singt, dass er jetzt abreisen wird. Aber als Schauspielregisseur bin ich davon fasziniert, wie unglaublich schnell Oper sein kann. Genau deswegen kann sie für mich modern sein und in unser Zeitalter passen. Anders als das Schauspiel wird sie aber viel zu oft als etwas «Heiliges» behandelt.
Um zu vermeiden, dass die Oper einen musealen Charakter erhält, muss man bei jeder neuen Produktion versuchen, die Routine zu vermeiden. Ich arbeite diesen Sommer bei der Ruhrtriennale mit Teodor Currentzis an Wagners «Rheingold». Er gehört zu einer jungen Generation von Dirigenten, die für musikalische und dramaturgische Experimente offen sind. Schon in unseren ersten Gesprächen schlug er vor, Wagners Partitur stellenweise aufzubrechen, ihr neue Texte und elektronische Musik hinzuzufügen.
Anfang Mai traf ich mich mit meinem Dramaturgie-Team, um weiter an der Inszenierung zu feilen. Abends rief die Schauspielerin Sandra Hüller an. Als sie hörte, womit wir uns ...
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Opernwelt August 2015
Rubrik: Magazin, Seite 66
von Johan Simons
Das Interesse an Barockmusik ist in den letzten 25 Jahren enorm gestiegen», sagt Christophe Rousset in der Brasserie Excelsior und fährt mit einem Hauch Bitterkeit in der Stimme fort: «Aber die französische hat’s immer noch schwer. Das Rameau-Jahr zum Beispiel hat praktisch keine Spuren hinterlassen. ‹Platée› gibt es ja immer mal, doch das war auch schon vorher so....
JUBILARE
Martha Dewal kam 1935 im Schweizer Kanton Zürich zur Welt und studierte Gesang in Wien, wo neben Elsa Schwientek-Würtenberger u. a. auch Anton Dermota und Joseph Greindl zu ihren Lehrern zählten. Nach ersten Festengagements in Salzburg und Oldenburg wurde die Zwischenfach-Spezialistin 1974/75 Ensemblemitglied am Ulmer Theater, dem sie bis heute treu...
Es ist etwas faul in der Serenissima. «Silenzio. Mistero», raunt der Chor. Nebelschwaden quellen aus schlierig-grauem Kunstmauerwerk. Fast bis zu den Knien steht das Wasser. Die Gondeln liegen fest vertäut. Der Palast-Container ist verschlossen. Das Innere: ein goldener Käfig. Die Tore öffnen sich nur, wenn Francesco Foscari, der zwischen Familie und Staatsräson...
