Schnell, fremd, unberechenbar
In einer Oper genügen fünf Minuten, um einen Krieg glaubwürdig auf der Bühne zu zeigen. Im Schauspiel braucht man dafür vier Tage. Das ist die enorme Kraft der Musik. Wir kennen alle das Klischee des Opernsängers, der minutenlang singt, dass er jetzt abreisen wird. Aber als Schauspielregisseur bin ich davon fasziniert, wie unglaublich schnell Oper sein kann. Genau deswegen kann sie für mich modern sein und in unser Zeitalter passen. Anders als das Schauspiel wird sie aber viel zu oft als etwas «Heiliges» behandelt.
Um zu vermeiden, dass die Oper einen musealen Charakter erhält, muss man bei jeder neuen Produktion versuchen, die Routine zu vermeiden. Ich arbeite diesen Sommer bei der Ruhrtriennale mit Teodor Currentzis an Wagners «Rheingold». Er gehört zu einer jungen Generation von Dirigenten, die für musikalische und dramaturgische Experimente offen sind. Schon in unseren ersten Gesprächen schlug er vor, Wagners Partitur stellenweise aufzubrechen, ihr neue Texte und elektronische Musik hinzuzufügen.
Anfang Mai traf ich mich mit meinem Dramaturgie-Team, um weiter an der Inszenierung zu feilen. Abends rief die Schauspielerin Sandra Hüller an. Als sie hörte, womit wir uns ...
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Opernwelt August 2015
Rubrik: Magazin, Seite 66
von Johan Simons
Die 1984 gegründete Berliner Lautten Compagney hat sich international besonders mit Opern von Georg Friedrich Händel einen Namen gemacht. Bei einer Produktion des frühen Londoner Erfolgsstücks «Rinaldo» (1711) arbeitete sie zum ersten Mal mit dem italienischen Marionettentheater Carlo Colli & Figli zusammen, das auf eine Tradition von 200 Jahren zurückblicken kann...
Aus und vorbei! Mit Louis Varneys «Les Mousquetaires au couvent» von 1880 ist die Ära Jérôme Deschamps an der Pariser Opéra Comique zu Ende gegangen. Der Intendant gönnte sich aus diesem Anlass das Vergnügen, wieder mal zu zeigen, dass er vor allem Künstler ist: Nicht nur zeichnet er für die Regie verantwortlich, er übernahm auch die Sprechrolle des Gouverneurs....
Herr Kupfer, wann waren Sie eigentlich zuletzt in Ihrem ehemaligen Stammhaus, der Komischen Oper?
Das ist noch nicht so lange her. Ich wollte wissen, wie Barrie Kosky die «West Side Story» inszeniert hat. Ich hätte das Stück ja selbst gern auf die Bühne gebracht, in Dresden. Daraus wurde aber leider nichts, weil wir für unsere Spielfassung die Rechte nicht bekamen....
