Schmerzende Helle

Stuttgart, Debussy: Pelléas et Mélisande

«Nichts dazu sage ich», sind die ersten Worte des Königs Arkel. «Ich weiß nicht, was ich sage... Ich weiß nicht, was ich weiß... Ich sage nicht mehr, was ich will...», spricht die sterbende Mélisande. Es ist eine geheimnisvolle Welt des Schweigens, eine archetypische Traumwelt symbolbefrachteter Räume, in der Debussys einzige vollendete Oper «Pélleas et Mélisande» spielt.

Die Menschen in Allemonde – dem Schauplatz von Maurice Maeterlincks Schauspiel, das Debussy sich selbst als Text eingerichtet hat – leben wie Somnambule, wie Blinde unterm Bann der Todeserwartung in einer labyrinthischen, nebelhaft verschwimmenden Welt, in der niemals die Sonne scheint, man also auch den Himmel nicht sieht.
Kazuko Watanabe hat für Jossi Wielers und Sergio Morabitos erstmals in Hannover gezeigte Inszenierung (siehe OW 6/2003), die die beiden Regisseure jetzt in Stuttgart in überarbeiteter Form neueinstudiert haben, alle Erwartungen einer düsteren Familiengruft unterlaufen. Ihr weißer, fensterloser Einheitsraum – eine Mischung aus steriler Krankenhaus- und funktionaler Büroatmosphäre – verlegt die Handlung in einen nach hinten sich verengenden Korridor, der vorne Einblick in zwei kleinere Salons ...

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Opernwelt Juni 2007
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Uwe Schweikert

Vergriffen
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Debussy: Pelléas et Mélisande

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