Schloss und Schuppen
Nennen wir sie Rhonda. Rhonda ist achtzig Jahre alt. Die Beine tun es nicht mehr so richtig, deshalb hat sie einen Rollator dabei. Und ihren schwedischen Chaperon. Nennen wir ihn Olof. Olof ist schätzungsweise Mitte fünfzig und organisiert Reisen für vermögende Privatkunden. Kennengelernt haben die beiden sich in – Papua-Neuguinea. Nun kommt Rhonda regelmäßig aus New York angereist, um mit Olof in Stockholm und Umgebung Opernluft zu schnuppern. Letztes Jahr waren sie im Barocktheater von Drottningholm und im noch älteren Theater des Schlosses Ulriksdal.
Auch nach Gripsholm sind sie gefahren, um sich das von König Gustav III. eingebaute Theaterchen anzuschauen, doch dann hat Rhonda es doch nicht bis hinauf ins dritte Obergeschoss geschafft. Jetzt sitzt sie im holzgetäfelten Speisewagen eines historischen Sonderzuges, der von der Stockholmer Centralstation rund 250 Kilometer an den Skäret-See rumpelt, zu einem stillgelegten Sägewerk, in dem es seit ein paar Jahren jeden Sommer ein Opernfestival gibt. Mit schütterer, fast tonloser Stimme erzählt Rhonda bei Lachs und Bier vom Chor der Met, dem sie mehr als drei Jahrzehnte angehörte. Sie hat viel erlebt in dieser Zeit – den Streit um ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
«Jede Fotografie», schrieb Susan Sontag in ihrer kleinen Philosophie der
Kamerakunst, «ist eine Art Memento mori. Fotografieren bedeutet teilnehmen an der Sterblichkeit, Verletzlichkeit und Wandelbarkeit anderer Menschen (oder Dinge). Eben dadurch, dass sie diesen einen Moment herausgreifen und erstarren lassen, bezeugen alle Fotografien das unerbittliche...
Die Szenerie war imposant. Die Wiener Philharmoniker füllten in voller Breite die Felsenreitschule, links hoch oben thronte die Schlagwerk-Gruppe auf einem gesonderten Podest. Rechts hing eine riesige Video-Wand mit grauweißer Grundmusterung, darunter war der Chor, die Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor, postiert. Links hinten erstreckten sich sechs oder...
Nur alle fünf Jahre findet der 1984 ins Leben gerufene und nach der Sängerin und Gesangspädagogin Mirjam Herlin (1911-2006) benannte Gesangswettbewerb in Helsinki statt. Er genießt internationales Ansehen und kann bereits auf eine stolze Siegerliste zurückblicken, in der sich Namen wie Vladimir Chernov, Olaf Bär, Andrea Rost, René Pape und Elina Garanca finden. Die...
