Schlichte Größe

Halle, Monteverdi: Orfeo

Glücklich ein jeder, der dieser Muse angesichtig wird. Ein ätherisch schönes Wesen, blond wie ein Engel, anmutig in den Bewegungen, mit geschmeidiger, einschmeichelnder Stimme – Gesine Nowakowski ist es, höchst talentierte Sängerin, noch nicht ganz zur Reife gediehen. Dirigent müsste man sein, jedenfalls in dieser durch und durch sehenswerten Produktion, dann würde man La Musicas zärtliche Hände wohl auch auf dem Haupt spüren.

Wolfgang Katschner, der den Hallenser «Orfeo», dessen Premiere ziemlich exakt vierhundert Jahre nach der Uraufführung von Monteverdis favola in musica stattfand, an der Spitze des Händelfestspiel­orchesters Halle verantwortet, sei das holde Händchen gegönnt. Denn er selbst besitzt es, in anderer Ausprägung, für die fragile, und zumal rhythmisch und syntaktisch so außerordentlich komplexe Partitur. Ein Spagat ist es immer, die Konturen von Monteverdis Klangbildern zu zeigen, ohne der profunden rhetorischen Macht dieser Musik allzu nahe zu treten. Katsch­ner und seinen fabelhaften, mit Feinsinn zu Werke gehenden Musikern gelingt dies vortrefflich und mit ­einem gehörigen Reichtum an klangfarblichen Facetten – wenngleich gewisse intonatorische Eintrübungen ...

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Opernwelt April 2007
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Jürgen Otten

Vergriffen
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