Günther Groissböck als Kaspar in Mailand; Foto: Mailänder Scala

Schauerromantisch

Weber: Der Freischütz Mailand | Teatro alla Scala

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Als sich Max und Agathe im Finale zusammen davonmachen (aus dem von Ottokar verlangten Probejahr wird nichts), fügen sich die rotbemalten Höllenwesen, die die Programmhefte bei sich tragen, in das Gotteslob ein. Eine Last-Minute-Kuriosität in einer Inszenierung, die bis hierhin brav auf dem Pfad der Buchstäblichkeit geblieben war. Es fehlt an nichts: Nach dem zweiten Kugelguss stiebt ein schwerer schwarzer Eber auf die Bühne.

Fröhliche Dörfler tragen Folkloristisches, etwa Kopfschmuck à la Jenůfa (die Handlung spielt im ländlichen Böhmen), dazu gibt’s jede Menge Blumen, Flaggen, Federn.

Für den neuen «Freischütz» an der Scala – wo es das Stück zuletzt 1998 gab – trat als Regisseur Ex-Burg-Direktor Matthias Hartmann an, Alexander Pereira seit Langem verbunden. In Anbetracht der Tatsache, dass das italienische Publikum Webers Oper kaum kennt, ist «Werktreue» vermutlich ein kluger Ansatz. Besonders gut kommt die Schauerromantik der Wolfsschluchtszene an: verkohlte Bäume, Schummerlicht, züngelnde Flammen, allerhand unheimliche Gestalten. Unmut rufen, wie man dem Pausengemurmel entnehmen konnte, lediglich die Neonröhren hervor, die Berge, Kapelle und Wirtshaus heraufbeschwören sollen.  ...

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Opernwelt Dezember 2017
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Carlo Vitali

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