Sarastro ist der beste aller Khane

Die Mongolei feiert ihr achthundertjähriges Gründungsjubiläum, Romeo führt durch die Hauptstadt Ulan Bator, Dschingis Khan betritt als menschlicher Übermensch die Opernbühne, und die «Zauberflöte» erscheint als asiatischer Märchenzauber – im Musentempel eines ­deutschen Architekten und in deutscher Sprache.

I. So einen Vogelmenschen haben sich Mozart und Schikaneder sicherlich auch in kühnen Träumen nicht vorgestellt. Papagenos Hut ist ein großer Adlerkopf mit Hakennase und glühend roten ­Augen. An den Seiten recken sich weiße Schwingen zum Himmel. Dieser Papageno tänzelt und turnt, als könne er jederzeit abheben vom schnöden Erdenboden und aufflattern zu den Vögeln. Mit denen versteht er sich sowieso viel besser als mit schwerfälligen Menschen, die Bilder besingen, Rache schwören und Rituale vollziehen. Sein Wams ist ausgestopft mit lila schimmernden Pfau­enaugen.

An seinen Unterarmen klebt buschiges Gefieder. «Der Vogelfänger bin ich ja», trällert es aus ihm heraus – voluminös und rund und deutsch. Dann plötzlich sieht er eine rote Schärpe, ein grünes Gewand, ein Wesen mit Krummschuhen und riesigen Manschetten samt weißer Borte. Vor Tamino verschlägt es ihm erst einmal die Sprache. Und wenn er wieder sprudelt, dann tönt es ganz anders. Jetzt platziert er seine Konsonanten nicht mehr mit der Zungenspitze, sondern zieht sie blitzschnell aus dem Rachen hervor. Sein Atem zischt, und die Backen regulieren den Klang. Die Zungenwurzel hat viel zu tun. Mal klingt der Luftstrom zärtlich ...

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Opernwelt August 2006
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Stephan Mösch

Vergriffen
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