Sahnetorte

Mozart: Così fan tutte
Hamburg | Staatsoper

Und plötzlich ist alles anders. Der Genuss des Genießens hat ein Ende, die zuvor quietschbunte Welt des Rokoko, die sich verwandelt sah in eine Commedia dell’arte-Arena voller Irrationalitäten, steht still. Jetzt hat die Musik das Wort. Präziser: eine Frau, die ehrlich nichts anderes mehr empfinden kann als die necessità del cuore, höchste Herzensnot. Also erfleht sie, die gerade noch ein granitener Fels war, singend Hilfe aus dem Himmel.

Nicht zufällig nahm Ludwig van Beethoven Fiordiligis «Per pietà»-Lamento aus dem zweiten Akt von Mozarts «Così» zum Vorbild für seine große Leonoren-Arie; sogar die Tonart, schon bei Händel und später noch in Donizettis «Lucia di Lammermoor» Ausdruck tiefster Trauer, ist dieselbe: E-Dur.

Wie Maria Bengtsson diesen herben Umschlag vom Komischen ins Tragisch-Heroische gestaltet, das ist zum Niederknien schmerzlich-schön. Töne gereiht zur Juwelenkette, einer funkelnder als der andere, mit betörender Nuancierung in Dynamik, Klanggebung, Farbe und Agogik, so raumgreifend, dass die berühmte Stecknadel in diesen fünf Minuten fallen könnte, und man würde sie hören im weiten Rund der Hamburgischen Staatsoper.

Der Rest in Herbert Fritschs Inszenierung ...

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Opernwelt November 2018
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Jürgen Otten

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