Drama mit Musik

Johan Simons drückt der Ruhrtriennale seinen Stempel auf: «Orfeo» nach Monteverdi, «Accattone» und Bach, «Das Rheingold» auf drei Etagen, «Prometeo» als Hörkraftwerk

Wieder ertönt das weiße Rauschen mit diesem dröhnenden Brummen. Eine aus der Gruppe von acht Leuten, die sich bis hierhin brav von Raum zu Raum bewegt hat, stößt eine Klapptür auf, wir folgen, verharren in einer Schleuse (das Dröhnen!), gelangen auf ein Zeichen durch die nächste Tür in eine Art Wartezimmer.

Kitschige Tapetendrucke, ein Zimmerbrunnen spült klares Wasser über eine Silberkugel, auf den Holzstühlen ringsum harren schon andere Zuschauer, um beim Arzt vorgelassen zu werden ‒ aufgefordert von «Sprechstundenhilfen» in Gummimasken mit mädchenhaft-wulstigen Lippen und blonder Perücke. Auf einem der Stühle sitzt Johan Simons, der «Chef»: Pullover und Cordhose, die Haare verwuschelt, das zerfurchte Gesicht unausgeschlafen.

Johan Simons ist überall bei seiner ersten Saison als Intendant der Ruhrtriennale. In Gladbeck sieht man ihn um die Ecke der Zeche Zweckel biegen, vor der Bochumer Jahrhunderthalle mit einem Tross ergebener Mitarbeiter, drinnen zur Premiere «seiner» Ruhr-Version des «Rheingolds». Und in der Musiktheater-Installation nach Claudio Monteverdis Ur-Oper «Orfeo» harrt er eben geduldig im Wartezimmer aus, bis auch er von einer der Gummimasken-Eurydiken ins ...

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Opernwelt November 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 24
von Michael Struck-Schloen & Albrecht Thiemann