Rollendebüt
Sechzehn Tage Vorlauf für ein Rollendebüt: Das braucht Mumm. Den bewies Roberto Alagna, als er jetzt an der Metropolitan Opera als Des Grieux einsprang. Jonas Kaufmann hatte sich zur Wiederaufnahme von Richard Eyres fragwürdiger «Nazi meets film noir»-Version der «Manon Lescaut» krankgemeldet. Alagna glückte trotz eines trockenen Vibratos und hörbarer Anstrengung eine beeindruckende Vorstellung – mitreißend seine jungenhafte Leidenschaft im Auftreten, die Stilsicherheit und klaren Konsonanten, sein darstellerisches Engagement.
Daneben fiel Kristine Opolais’ zwar attraktive, aber seltsam kühle Manon ein wenig ab, stimmlich war sie nicht in Bestform. In den Liebesduetten suchte Alagna denn auch eher die Nähe der Souffleuse. Er ging mit seinem Legato sparsam um, klang in den Spitzentönen steif, um einige drückte er sich ganz. Im vierten Akt aber fanden beide Stars zu sich selbst. Musikalisch lohnte der Abend auch dank Fabio Luisis detailsinnig strömendem Dirigat.
Aus dem Englischen von Katharina Duda
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2016
Rubrik: Magazin, Seite 73
von David Shengold
Carl Maria von Webers «Freischütz» entstand kurz nach dem Sieg über Napoleons Truppen, die Handlung spielt in der Zeit nach dem 30-jährigen Krieg. Eine deutsche Nachkriegsoper also – ein Umstand, der heutzutage mitunter zu maßlosen Interpretationen führt. Der sex- und bluttriefende Bühnenexzess des Schauspielregisseurs Kay Voges in Hannover war nur das eine Extrem,...
Als Musikhistoriker freue ich mich über jede Ausgrabung, Neugier gehört zum Beruf. Die Nagelprobe auf den Brettern erlaubt es, eine Oper ganz anders kennenzulernen als durch das Lesen der Noten.
Da man aber unmöglich alles ausgraben kann, stellt sich – wie überall im Leben – die Frage der Prioritäten. Die Phrase von «zu Unrecht» vergessenen Werken hilft dabei nicht...
Jubilare
Michel Brodard wurde 1946 in Fribourg/Schweiz geboren und studierte Gesang am Konservatorium seiner Heimatstadt. Nach seinem Abschluss mit dem Prädikat «summa cum laude» begann er eine rege Konzerttätigkeit, die ihn u. a. durch die Schweiz, nach Deutschland, Frankreich sowie nach Argentinien führte – vor allem als Interpret von Oratorien, Passionen und...
