Rollendebüt

Opernwelt - Logo

Sechzehn Tage Vorlauf für ein Rollendebüt: Das braucht Mumm. Den bewies Roberto Alagna, als er jetzt an der Metropolitan Opera als Des Grieux einsprang. Jonas Kaufmann hatte sich zur Wiederaufnahme von Richard Eyres fragwürdiger «Nazi meets film noir»-Version der «Manon Lescaut» krankgemeldet. Alagna glückte trotz eines trockenen Vibratos und hörbarer Anstrengung eine beeindruckende Vorstellung – mitreißend seine jungenhafte Leidenschaft im Auftreten, die Stilsicherheit und klaren Konsonanten, sein darstellerisches Engagement.

Daneben fiel Kristine Opolais’ zwar attraktive, aber seltsam kühle Manon ein wenig ab, stimmlich war sie nicht in Bestform. In den Liebesduetten suchte Alagna denn auch eher die Nähe der Souffleuse. Er ging mit seinem Legato sparsam um, klang in den Spitzentönen steif, um einige drückte er sich ganz. Im vierten Akt aber fanden beide Stars zu sich selbst. Musikalisch lohnte der Abend auch dank Fabio Luisis detailsinnig strömendem Dirigat.   

Aus dem Englischen von Katharina Duda
 

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2016
Rubrik: Magazin, Seite 73
von David Shengold

Weitere Beiträge
Krachblechern

Wolfram Koch stakst donquichotesk einher. Er führt seine allenthalben klappernde, raschelnde und knirschende Rüstung spazieren. Stapft und torkelt, stolpert und kriecht – ein krachblecherner König Artus, der England wider die eingefallenen Sachsen verteidigt und deren König Oswald obendrein die schöne, blinde Emmeline wieder ­abspenstig macht. Aber sie liebt ja...

Nonsens nonstop

Furien sind grausam und launisch. Die der Ausmerzung scheint zudem vergesslich. Manch fälligen Richtspruch versäumt sie aus Schlamperei, manch anderes aus Schussligkeit. Ach ja, da gab es doch dieses kleine Meisterwerk «La Dame blanche» des liebenswürdigen François-Adrien Boieldieu, ein funkelndes Juwel der Opéra Comique? Auch in deutschen Landen bekannt und...

Sittenbild mit Löwe

Der Untergang des Dogen Foscari sei eine Metapher für den Verfall der Stadt Venedig – so ließ sich Regisseur Alvis Hermanis über sein neuestes Projekt vernehmen. Interessantes Konzept. Wenn sich da nicht eine historische Unstimmigkeit eingeschlichen hätte: «I due Foscari» spielt im Jahre 1457. Zu diesem Zeitpunkt aber stand Venedig noch auf der Höhe seiner...