Robert Wilson inszeniert Schönberg und sich selbst in Berlin

Es gab eine Zeit, da waren seine Licht-Zeremonien hilfreiche Antidote zur krampfhaft aktualisierenden, politisierenden, sich in Realismus verheddernden Opernbühne. Bei «Pelléas et Mélisande» und beim «Parsifal» klappte das besser als beim «Ring» oder bei «Aida». Doch Robert Wilsons Ästhetik hat sich überlebt. Das liegt, soweit es die Oper betrifft, vor allem daran, dass sie immer selbstbezogen, oft selbstverliebt war und sich kaum entwickelte. Statt zur Werkanalyse tendierte sie zum Bild-Design.

Wie auch anders, wenn ein Regisseur zehn bis zwölf Produktionen gleichzeitig betreuen will und in einigen noch selbst auftritt? In der Kunst der  Mehrfachverwertung ist Wilson stets so virtuos gewesen wie im Umgang mit Bewegungsformeln.
An der Berliner Staatsoper wurden jetzt zwei seiner weitgereis­ten Produktionen als Premiere verkauft. Zunächst ein gut halb­stündiger Slow Motion-Ausschnitt aus «Deafman Glance», jener siebenstündigen Performance, die Wilson vor dreißig Jahren zum Guru beförderte. Danach Schönbergs Monodram «Erwartung» in einer Inszenierung für die Salzburger Festspiele 1995. Historisches Theater, als solches informativ, nicht mehr. Anja Silja und Wilson himself zelebrieren ...

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Opernwelt November 2006
Rubrik: Kurz Berichtet, Seite 50
von Stephan Mösch

Vergriffen
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