Rituelle Schönheit
Liest man die Aufführungsstatistik des Deutschen Bühnenvereins – unter den 50 meistgespielten Opern ist keine einzige jüngeren Entstehungsdatums –, bestätigt sich die Binsenweisheit, dass es Zeitgenössisches im heutigen Musiktheater schwer hat. Tatsächlich aber machen viele Häuser durchaus ihre Hausaufgaben. Das gilt auch für die norddeutschen Bühnen. Ob Flensburg, Lübeck, Hamburg, Bremen, Oldenburg oder Bremerhaven: Neues und Neuestes hört man mit schöner Regelmäßigkeit (meist einmal pro Spielzeit), wenngleich die Qualität der Werke naturgemäß nicht immer überzeugt.
So war die minimalistische Oper «Satyagraha» von Philip Glass, auf die man sich jetzt in Oldenburg besann, in den Jahren nach ihrer Uraufführung 1980 in Rotterdam höchst umstritten. Konnte es wirklich der Weisheit letzter Schluss sein, der fürs Publikum unbequemen Avantgarde, ihrer Atonalität und ihren Dissonanzen, eine Musik der «neuen Einfachheit» entgegenzusetzen? Die Tonwiederholungen und rhythmischen Floskeln in Endlosschleife, die Dauerberieselung mit Dreiklängen und anderen harmonischen Grundbausteinen? Die Kritik reagierte eher abweisend – so Kurt Honolka, der anlässlich der Deutschen Erstaufführung von ...
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Opernwelt April 2016
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Gerhart Asche
Zangezi» ist so etwas wie das Opus summum des russischen Futuristen Velimir Chlebnikov (1885-1922). Ein als Drama konzipierter, im Grunde aber epischer Text, in dem er die fundamentalen Themen seines Schreibens zur Synthese zu führen sucht: Der Prophet «Zangezi» ist ein Alter Ego des Autors, die ihm in den Mund gelegten Spekulationen – etwa über die nach...
Mitunter relativieren Opernausgrabungen ein wenig das Licht, in dem historisch benachbarte Giganten glänzen. Zu den verkannten Tonschöpfern gehört der böhmische Komponist Florian Leopold Gassmann. Ab 1763 als Nachfolger Christoph Willibald Glucks am Wiener Hof, war er hörbar ein Vorarbeiter Mozarts. Doch im Gegensatz zu den beiden Kollegen ist der fähige Gassmann...
Den Engländern kann man nicht trauen, was Humor betrifft. Ihr Sinn für denselben ist zwar weltberühmt, aber auch ein sehr spezieller. Jedenfalls nicht kompatibel mit dem der Franzosen – der Ansicht jedenfalls scheint Regisseurin Mariame Clément zu sein, die jetzt in Covent Garden die erste Aufführung von Emmanuel Chabriers Opéra bouffe «L’Étoile» auf der Insel...
