Revolution und Restauration
Paisiellos Ouvertüren sind komponiertes Lachen, seine spritzigen Arietten so einfach und eingängig, dass man die Melodien unwillkürlich mitsummt; seine Ensembles überraschen immer mit irgendeinem spleenigen Einfall, der bis zu dadaistischem Silben- oder Gräuschsalat hochgeschraubt wird, und die Libretti «seines da Ponte» Giuseppe Palomba sind hinreißend skeptische Sittenspiegel italienischen Kleinstadtlebens im späten Ottocento.
Paisiellos Buffe holen die hohen Ideale der Aufklärung auf den Boden des Alltags zurück, ohne dabei gleich mit apokalyptischen Weltuntergangsszenarien zu drohen, die es damals auch schon gab (Rousseau, Saint-Just, Robespierre). Das macht ihren Charme aus.
Der Zweiakter «Gli zingari in fiera – Die Zigeuner auf der Kirmes», 1789 komponiert und 2008 beim Paisiello-Festival in des Komponisten Geburtsstadt Tarent (Taranto) von Giovanni di Stefano wieder ausgegraben, spielt in einem Fischerkaff bei Ancona, in dem eine durchziehende Zigeunertruppe xenophobe Reflexe unter der wohlhabenden Bürgerschaft auslöst. Sie stören die Ruhe, leben den unbürgerlichen Traum vom dolce far niente und setzen durch ihr Beispiel unterdrückte Sehnsüchte der braven Bürger frei. Der ...
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