Die Musik verteidigen

Teresa Berganza über Carmen, Treue zur Partitur, das Kunstlied als Basis der Stimmerziehung und die Kurzsichtigkeit der spanischen Kulturpolitik

Selbst von den Opernfreaks, die ­jeden Sommer nach Aix-en-Provence reisen, wissen es nur wenige: Neben den großen Festspielen gibt es dort eine kleine, feine Videothek. Die biedert sich gar nicht erst mit jener Konsumware der Marke Bocelli oder Open-Air-Classics an, die international die Regale der Plattenläden vollmüllt. Stattdessen setzt sie auf die Geschichte von Aix, auf historische Aufnahmen. Man kann beispielsweise eine Sängerin bestaunen, die hier schon auftrat, lange bevor sie auf den Opernbühnen der Welt um papierene Zigaretten­fabriken gurrte.

Teresa Berganza, später Carmen vom Dienst,  sang in Aix anno 1961 die Dorabella – umringt von einem famosen «Così fan tutte»-Ensemble, zu dem Teresa Stich-Randall, Luigi Alva und Rolando Panerai ge­hörten. Der Dirigent war ein New­comer, hatte aber schon dieselben forsch-fordernden Tempi wie später: Michael Gielen.
Diese Dorabella von Teresa Berganza nimmt viele ihrer späteren Glanzpartien vorweg. Sie ist in ihrer Selbstgewissheit die kleine Schwester der Carmen, in ihrer Lust am Sichentdecken eine Doppelgängerin des sehnsuchtsgebeutelten Che­rubino. Und in der feinen Lasur der Koloraturen wie in der fädenspinnenden Dominanz ihrer ...

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Opernwelt Februar 2007
Rubrik: Retrospektive, Seite 68
von Stephan Mösch

Vergriffen