Parallelwelten

Musikschulen in Palästina und eine Uraufführung an der Israeli Opera in Tel Aviv – Eindrücke aus einer Region, in der nichts normal ist, außer der Sehnsucht nach Normalität

Im Januar 2009 ging Daniel Barenboim wieder einmal auf Jubiläumstour. Diesmal mit dem West-Eastern Divan Orchestra, das er zehn Jahre zuvor mit dem aus Palästina stammenden amerikanischen Intellektuellen Edward Said in Weimar gegründet hatte. Neben Auftritten in Moskau, Wien und Mailand waren – zum ersten Mal – Konzerte in Doha und Kairo geplant. Dann führte die israelische Armee im Gazastreifen Krieg gegen die Hamas. Die Termine in den beiden arabischen Städten wurden abgesagt – aus Sicherheitsgründen.

Stattdessen reiste die Multikultikapelle, in der junge Araber, Israelis und Spanier gemeinsam Beet­hoven & Co. spielen, nach Berlin und diskutierte vor laufenden Kameras die Lage im Nahen Osten. Unter anderen meldete sich – an der Seite Barenboims – der Bratschist Ramzi Aburedwan zu Wort: «Palästina ist seit 60 Jahren besetzt und wird seit drei Jahren belagert. Die Katastrophe ist nicht erst zwei Wochen alt.» Das saß. Die Nerven lagen blank.

Der inzwischen 30-jährige Palästinenser, der in dem Flüchtlingscamp Al Amari bei Ramallah aufwuchs, gehört zur ersten Generation der West-Eastern Divan Musiker. Damals studierte er mit einem Stipendium in Angers. Um die Welt ging ein Pressefoto, ...

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Opernwelt März 2010
Rubrik: Reportage, Seite 30
von Albrecht Thiemann

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