Vom Winde verweht

(Kunst-)Botschaft an symbolischem Ort: Die Israeli Opera spielt Verdis «Nabucco» am Fuß des Masada Felsens

Sie kamen von Nordosten, aus Jerusalem. Sie kamen zu Tausenden, bewehrt mit Schilden, Steinen, Waffen. Jeden, der die römischen Soldaten sah, die kurz zuvor, im Jahre 70, den Zweiten Tempel in der heiligen Stadt zerstört hatten, musste augenblicklich die Gewissheit ergreifen, dass sie den hoch aufragenden Masada-Felsen erobern wollten – um jeden Preis. Lange schon waren ihnen die jüdischen Rebellen,  die dort oben ihr Dasein fristeten, umgeben von einer Palastanlage, die sich König Herodes im Schweiße vieler Angesichter hatte errichten lassen, ein Dorn im Auge.

So setzten sie alles daran, hinaufzukommen auf das hoch gelegene Plateau. Gut zwölf Monate dauerte die Belagerung durch die von Flavius Silva angeführte Zehnte Legion. Dann gelang es den Angreifern, die Festung über eine Rampe zu stürmen. Als die rund eintausend Verteidiger dessen gewahr wurden, entschieden sie sich – nachdem ihr Anführer eine bewegende letzte Rede gehalten hatte – zu einer martyrischen Tat. Kollektiv nahmen sie sich das Leben, um nicht in die Hände der heidnischen Imperatoren zu fallen.

So steht es geschrieben bei Flavius Josephus. Und so wird es überliefert, bis heute. Den Juden Israels gilt Masada deswegen ...

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Opernwelt Juli 2010
Rubrik: Reportage, Seite 68
von Jürgen Otten

Vergriffen