Raumfüllend, von Tür zu Tür

Levine und die Münchner Philharmoniker mit Bartóks «Blaubart»

Opernwelt - Logo

Wenn Levine die Keule auspackt, steht das Orchester stramm. Wenn gegen Ende des Prologs und vor Eintritt in die erste Tür Béla Bartók kurze, knackige Crescendi fordert, wenn hier das bange Ende von «Blaubarts Burg» im Zeitraffer vorweggenommen wird, hält die Neuaufnahme mit den Münchner Philharmonikern treffliche Momente bereit.
Auch wenn bei der «siebten Tür» das ­Orchester zum Tutti anwächst, um kurz danach wieder an die Grenze zur Stille zurückzuführen, hat sie Klasse.

Dazu röchelt – sehr authentisch – ein um Fassung ringender John Tomlinson als Blaubart, der zuvor mit markiger Stimme den Führer durch sein Schloss gemimt hatte. Ein Blaubart, der nie eine wirkliche Liebe zu Judith zu spüren scheint, bei dem stets die Autorität durchscheint: Tomlinson gelingt ein stimmiges Rollenporträt mit klarer Deklamation und kurzen, tiefen Staccatotönen, die die Wucht von Nadelstichen haben. Die Konzeption der Figuren verlangt von Judith mehr Leidenschaft. Die bulgarische Mezzosopranis­tin Kremena Dilcheva – anno 2004 im Bayreuther «Parsifal» zu erleben – lebt das zur Genüge aus. Als sie die fünfte Tür erreicht, stößt sie einen gellenden Laut aus, raumfüllend, von einem fulminanten Orchester ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2005
Rubrik: Platten, Seite 61
von Christoph Vratz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Verdi: Don Carlo

Die Welt steht Kopf. Der Escorial eine leere Betonruine mit Fenstern wie hohle Augenlöcher, in der Ecke das gesichts­lose Tizian-Porträt Kaiser Karls V. Einmal öffnet sich die Rückwand für eine unheimliche Flussaue, und auch nach der Pause ist die Bühne nur scheinbar im Lot. Wo in der Mitte bewegliche gläserne Hänger ein Zentrum markierten, ist nun ein Guckkasten...

Kultur vom Kiosk

In Italien ist es schon lange üblich, dass man sich am Kiosk an der Ecke nicht nur mit Sexmagazinen und Cartoon-Heften versorgen kann, sondern auch mit kulturellen Grundnahrungsmitteln wie Bü­chern, Platten, CDs und zuletzt DVDs, und das zu äußerst volkstümlichen Preisen. Mancher, der nie die Lust verspürte, eine Buchhandlung oder einen Platten­la­den aufzusuchen,...

«Von Leipzig verspreche ich mir etwas Neues»

Herr Chailly, im September 2005 treten Sie Ihr Amt als ­Ge­ne­ralmusikdirektor der Leipziger Oper und Gewandhauskapellmeister an. Leipzig zählt, trotz der unbestrittenen Qualitäten des Orchesters, nicht wirklich zu den führenden Musikmetropolen. Wo­rin besteht für Sie der Reiz?
Leipzig ist nicht irgendeine Stadt, sondern ein Ort mit einer ganz außergewöhnlichen...