Raster der Welt
Dass Großbritannien ein Paradies für Exzentriker jedweder Couleur sei, ist keineswegs bloß ein wohlfeiles Klischee. Wohl in keinem zweiten Land der Alten Welt werden private Marotten, bizarre Gebräuche und Umständlichkeiten im öffentlichen Leben mit einer so weitherzigen, selbstverständlichen Toleranz bedacht (und zum Gegenstand eines erfrischend selbstironischen Humors) wie im Vereinigten Königreich. Doch eine Eigenart dürften die Untertanen der Queen kaum als lässliche Schrulle durchgehen lassen – germanophile Neigungen.
Deutsche Kultur und Lebensart stehen, zumal nach den Erfahrungen der Weltkriege, nach wie vor unter Generalverdacht, zumindest hinter vorgehaltener Hand: Wer weiß schon, wann die Teutonen das nächste Mal durchknallen.
Um so erstaunlicher wirkt das enthusiastische Interesse, das man auf der Insel ausgerechnet einer Symbolfigur deutscher Leitkultur wie Richard Wagner entgegenbringt. Nicht nur, dass sich das Virus seiner buchstäblich sagenhaften Opern lange vor den Katastrophen des 20. Jahrhunderts auf der anderen Seite des Kanals ausgebreitet hatte – was nicht zuletzt die berühmten Wagner-Texte George Bernard Shaws bezeugen. Gut hundert Jahre später scheint die ...
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Herr Kuˇsej, Sie sollten 2004 in Bayreuth «Parsifal» inszenieren und inszenieren nun «Carmen», von Nietzsche als Gegengift zu Wagner empfohlen. War das Ihr Wunsch?
Nein, ich habe nie Wünsche in der Oper. Ich lasse mich gern verführen von Dirigenten oder Intendanten, die glauben, dass ich das eine oder andere Stück mit ihnen machen soll. Ich hatte große Vorbehalte...
Alle Jahre wieder, am 7. Dezember, dem Tag des Mailänder Stadtheiligen Ambrosius, wird die Saison des Teatro alla Scala feierlich eröffnet. Die «Inaugurazione» ist – auch wenn der Saisonbeginn in den letzten Jahren durch Aufführungen im Herbst, die noch der jeweils vorangegangenen Spielzeit zugeordnet werden, etwas verwischt wird – ein gesellschaftliches Ereignis...
Grabbes Farce von Scherz, Satire und Ironie ist, wie der Hinweis auf die «tiefere Bedeutung» andeutet, eine ernste Angelegenheit. Es ging in diesem Vormärz-Produkt des schwerblütigen ostwestfälischen Sturmgenies und Kampftrinkers um Kritik am deutschen Idealismus und dessen Menschenbild, um die Ironisierung Goethes und des Bildungssystems von anno 1830.
Das eiserne...
