Querfinanziert
Nicola Sani, schon seit April 2011 als direttore artistico verpflichtet, trägt seit dem 5. Februar als Nachfolger von Francesco Ernani die Gesamtverantwortung für das Opernhaus an Bolognas Piazza Giuseppe Verdi – und hat sogleich einen Rekord aufgestellt: Mit einem Jahresgehalt von 110 000 Euro ist er der am schlechtesten bezahlte Chef unter den Leitern der großen Opernkompanien Italiens. Die Hauptsorge des 54-Jährigen, der sich selbst gern als «radikalen Komponisten» und «Alumnus von Stockhausen» bezeichnet, besteht derzeit im Auftreiben von rund drei Millionen Euro.
Mit der Unterstützung privater Investoren will er das Haus aus den roten Zahlen führen, um erst einmal die juristischen Voraussetzungen für staatliche Subventionen zu erfüllen. Schützenhilfe kam unlängst von eher unerwarteter Seite: Der Präsident des FC Bologna, der Italo-Amerikaner Joe Tacopina, versucht sich derzeit nach der Gründung der «Gesellschaft der Freunde des Teatro Comunale Bologna», als Sponsorenakquisiteur in New York. Daheim hat sovrintendente Sani unterdessen mit seinen beiden jüngsten Produktionen einen Vorgeschmack auf die mögliche zukünftige Ausrichtung des Teatro Comunale gegeben.
Da wäre zunächst ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2015
Rubrik: Magazin, Seite 72
von Carlo Vitali
Wunderbar, wie in der Ouvertüre die Soloklarinette als jäh aufschießende Flamme die Allegro-Erregungen des Orchestertuttis durchbrach, an Klangmacht der impetuösesten Trompete nicht nachstehend und doch so viel verwandter einer transzendierten Menschenstimme. Auch die Hörnergruppe des Staatsorchesters, leicht aufgeraut und virtuos eloquent, hatte unter der...
Den Haag, 1966. Eben war Vincenzo Bellinis Romeo-und-Julia-Variante «I Capuleti e i Montecchi» an der Scala neu herausgekommen. Nun wurde die Aufführung zu einer Attraktion des Holland Festivals. Und das auch wegen der jungen und selbst Insider-Kreisen noch kaum bekannten Interpreten: Jaume Aragall als Romeo, Luciano Pavarotti als sein Rivale Tebaldo und am Pult...
Faust, ein Wrack. So drastisch-desolat Philipp Stölzl den alten Goethe-Zweifler auch hängen lässt – an den Rollstuhl gefesselt, verfangen in Tröpfen, Kanülen und Kathetern –, so konventionell verfährt er bei der Neuerarbeitung seiner Gounod-Inszenierung aus Basel (siehe OW 5/2008). Zumindest für hauptstädtische Verhältnisse. Emblematisch, also von Schlüsselbildern...
