Quellenstudium in Taubenblau
Der Mann hatte viele Talente. Fast zu viele, um sich zu entscheiden. Doch Günter Henle, Nachfahre einer jüdischen Familie, die, um antisemitischen Anfeindungen zu entgehen, zum katholischen Glauben übergetreten war, machte aus der «Not» eine Tugend: Er vereinte die Begabungen und reüssierte erst als Diplomat, dann als Industrieller und schließlich als Verleger. Für die Musikwelt entscheidend wurde letztere Tätigkeit, die ihm schon in die Wiege gelegt worden war.
Sein Vater, so lesen wir es in Tobias Heyls sorgfältig recherchierter, allerdings leicht ins Hagiographische neigender Publikation «75 Jahre G. Henle Verlag», liebte die Musik und übertrug diese tiefe Zuneigung auf seinen Sohn. Der schuf früh die Grundlagen, um später mit Fachwissen an der Spitze des Verlags zu stehen. Günter Henle erlernte das Geigen- und Klavierspiel, er begleitete seine Eltern in die Oper, er war aktiver Teil der musikalischen Soirées im Hause Henle. Wesentliche Einflüsse verdankte er seinem Klavierlehrer Walter Lampe, der noch bei Clara Schumann und Engelbert Humperdinck studiert hatte und sich nun des jungen, augenscheinlich begabten Mannes annahm; späterhin sollte er auch als Berater Impulse setzen. ...
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Opernwelt Februar 2024
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Jürgen Otten
Bereits 2018 hatte die Wiener Volksoper ein Buch herausgebracht: «Ihre Dienste werden nicht mehr benötigt». Die Autorin Marie-Theres Arnbom zeichnet darin das Schicksal all der, zumal jüdischen Künstler nach, die das Haus nach dem «Anschluss» Österreichs an das Deutsche Reich im Jahr 1938 verlassen mussten, festgemacht an der Operette, die auf dem Spielplan stand,...
Im Anfang ist, nein, nicht das Wort. Im Anfang ist die Musik. Eine zarte, sirenengleich aus dem Graben ansteigende, sich nach und nach intensivierende Melodie des Violon -cellos schwebt durch den Saal, bald begleitet vom sanften Schnarren des Schlagzeugs. Auf einer ständig hin und her flackernden Bildprojektion (Video: Jan Isaak Voges, Live-Kamera: Daniel Sorg)...
In Teilen Moskaus herrscht Grabesstimmung. Die Musiktheaterszene der russischen Hauptstadt mag sich auch wenige Wochen nach der Entscheidung kaum mit dem Gedanken abfinden, dass der schier allgegenwärtige Valery Gergiev nicht nur Generaldirektor des Bolschoi-Theaters, sondern fast zwangsläufig auch Co-Vorsitzender des Vorstands der russischen Theaterunion geworden...
