Hungriges Meer

Purcell: Dido and Aeneas Vaughan Williams: Riders to the Sea Coburg / Landestheater

Ein Tisch steht auf der Bühne, darauf liegt ein Berg alter Kleidung. Tot die, die sie getragen haben: Den Mann und fünf Söhne hat die Irin Maurya an das Meer verloren, nur der sechste, Bartley, blieb ihr noch. Und der will heute, bei Sturm, ­hinausfahren. Unterdessen quält sich Königin Dido, weil sie Aeneas liebt und doch dem verstorbenen Gatten treu bleiben wollte. Unter Zweifeln gibt sie sich hin. Als der Trojaner davonsegelt, ­tötet sie sich selbst.

Zwei unglücklichen Frauen widmet das Theater Coburg seine neueste Produktion: Purcells «Dido and Aeneas» und «Riders to the Sea» von Ralph Vaughan Williams aus dem Jahr 1937. Dass bei dieser Kombination die Reihen selbst zur Premiere ein wenig luftig bleiben würden, konnten sich die Coburger ausrechnen, trotzdem haben sie das Unternehmen gewagt. Zum Glück – nicht nur Purcells bekannte Barockoper, auch Vaughan Williams’ selten gespielter Einakter ist es wert. Die kontrastierenden Kurzopern schlüssig zusammenzuführen, bedeutet eine echte Herausforderung. Dirigent Roland Kluttig gelingt die Verbindung mühelos – beide Opern kommen zu ihrem Recht. Das barocke Gerüst gliedert der GMD ­akkurat, im Grundton bleibt er zart und filigran. Nach ...

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Opernwelt August 2016
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Eva Kröner