Purcell ohne Prunk

Talentschmiede Südafrika: Im dritten Jahr des Umculo/Cape Festivals ließen sich junge Musiker und Sänger von «The Fairy Queen» verzaubern

Purcells «Fairy Queen» in neunzig Minuten? Ein Ende des 17. Jahrhunderts uraufgeführtes Prunkstück für Londons höfische Gesellschaft frei nach Shakespeares «Sommernachtstraum» mit jungen Chorsängern und Solisten, die gerade ihre ersten Schritte auf der Bühne machen? Kann das gut gehen? Es kann. Wer da an eine Schnapsidee oder Hochleistungssport für den Nachwuchs dachte, wurde im Rahmen des dritten Umculo/Cape Festivals in Südafrika eines Besseren belehrt.

Das Team um den Dirigenten Gerben Grooten und Regisseur Robert Lehmeier hatte das Stück behutsam bearbeitet und die Mitwirkenden auf Vorstellungen in Johannesburg und Kapstadt gut vorbereitet.

Das Motto des 2010 initiierten Festivals umreißt einen Ansatz, der über den üblichen Rahmen von Musiktheater-Workshops hinauszielt: «Changing Lives Through Music». Die Idee: klassische Musik mit Talenten aus sozial benachteiligten Schichten und unterprivilegierten Regionen zu produzieren und an alternativen Spielorten zu präsentieren. Die Hoffnung: Aktive Beschäftigung mit klassischer Musik kann ungeahnte Perspektiven öffnen – auf eine Zukunft, die nicht durch Armut und Gewalt, Unrecht und Korruption geprägt ist. So wie die Townships, aus ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2012
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Antonia Beermann/Adrian Herrmann

Weitere Beiträge
Zwischen Himmel und Hölle

Vom Spätwerk Franz Schrekers zu sprechen, wäre unangemessen. Der Komponist, Jahrgang 1878, starb bekanntlich an den Folgen eines Schlaganfalls, nachdem er von den Nazis aus dem Amt als Leiter der Berliner Musikhochschule gejagt und auch sonst diffamiert worden war. Da war er Mitte fünfzig. Dennoch gibt es einen Umschwung in Schrekers Schaffen, der in den zwanziger...

Belcanto aus der ersten Reihe

Giovanni Pacini? Ein weithin versunkener Name aus der Sphäre der Belcanto-Oper. 1796 in Catania zur Welt gekommen, hinterließ der Komponist bei seinem Tod angeblich über hundert Opern. Schon in Jugendjahren in Mailand debütierend, fand er sein durchweg in Italien verbrachtes Leben bedeutend genug, um eine Autobiografie zu schreiben. Findige Opernjäger können hier...

Hors de concours

Mit der Erstfassung von «Il pastor fido» schließt sich, wenn man von den Pasticci absieht, die letzte Lücke in der Schallplattenpräsenz von Händels Opern. Das 1712 für London geschriebene Stück war dort wenig erfolgreich. «Das Bühnenbild zeigte bloß die Landschaft von Arkadien, die Kostüme waren alt, die Oper kurz.» So überliefert ein Diarist das Urteil der...