Puccini: Tosca

Halfing

Diese Oper ist nicht unterzukriegen, nicht von prasselndem Regen, nicht von schimpfenden Vögeln, erst recht nicht von der Tatsache, dass der große ehemalige Reitstall von Gut Immling über ein zwar breites Portal, aber weder über Schnürboden noch über Seitenbühnen oder andere Technik verfügt.

So hat Ve­rena von Kerssenbrock nicht nur schöne, Historie und Moderne verquickende Kos­tüme entworfen, sondern sich für ihre «Tosca»-Inszenierung einen perspektivisch verkürzten surrealen, Tiefe vortäuschenden Raum aus Giorgio-de-Chirico-Arkaden gebaut, der von einem Spinnennetz zusammengehalten und ­einem großen Stufenaltar mit weißem Kreuz in der Mitte dominiert wird. Dort hängt das Bild der Schönen mit den braunen ­Augen, die Cavaradossi malt, dort wird eine bluttriefende Guillotine sichtbar, wenn Tosca dieses Bild herunterreißt. Und dort wird sie auch in den Tod springen.
Ansonsten entfacht die Regisseurin viel Aktion. Selten haben Cavaradossi und Tosca so engen Körperkontakt, spielen sie das Verliebtsein eines jungen Paars so ausgiebig wie hier. Und auch der geile Polizeichef legt nicht nur einmal Hand an die be­rühmte Sängerin. Doch das ist Verena von Kerssenbrock nicht genug, sie setzt ...

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Opernwelt August 2005
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 54
von Klaus Kalchschmid

Vergriffen
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