Puccini: Manon Lescaut

Essen

Als «ewiges» Thema ist die Geschichte von einem zwischen Liebes- und Luxussehnsucht hin- und hergerissenen Mäd­chen aus reichem Hause und einem armen Studenten nicht à tout prix an ihre Entstehungszeit, das 18. Jahrhundert, gebunden. Ausstatter Dieter Richter verzichtet in Essen auf historisierende Bebilderung. Er und Regisseur Roman Hovenbitzer finden ohne Gewaltsamkeit heu­tige Entsprechungen zu den optischen Vorgaben des Librettos.
In einer Disko funkt es zwischen dem Mädchen aus reichem Hause und dem armen Fotografen Des Grieux.

Doch ­Manon kommt nicht gegen ihren Traum vom Luxusleben an, Des Grieux nicht ­gegen sein moralisierendes Empfinden. Dass beide letztlich nicht zusammenfinden, demonstriert Hovenbitzer in immer neuen szenischen Anläufen und Ausformungen. Der vierte Akt zeigt die beiden weitgehend getrennt: Des Grieux blättert in alten Fotos, Manon schmückt sich – ein Frieren machender Moment – mit einem übrig gebliebenen Krönchen. Wenn er mit einer Pistole in der Dunkelheit verschwindet, knickt der Bühnenboden ab. Dieses demonstra­tiven Zeichens hätte es gar nicht mehr bedurft, um einsames Sterben sinnfällig zu machen.
Die große Deportationsszene verschärft Hovenbitzer ...

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Opernwelt Mai 2005
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 57
von Matthias Norquet

Vergriffen
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