Im Puppenheim

Puccini: Madama Butterfly
Brüssel | Palais de la Monnaie

«Madama Butterfly» ist Puccinis traurigste Oper – und rutscht gerade deshalb allzu leicht in tränenseligen Ausstattungskitsch ab. Rettung liegt womöglich einzig in der Distanz. Der dänischen Performance-Künstlerin Kirsten Dehlholm gelingt mit ihrer Truppe Hotel Pro Forma in der Brüsseler Ersatzspielstätte Palais de la Monnaie ein Inszenierungscoup durch einen maximalen V-Effekt: Dehlholm erzählt die tragische Geschichte als asiatische Geisternovelle.

Cio-Cio-San erscheint auf der Bühne als lebensgroße, von drei Spielern bewegte Bunraku-Puppe, die Sopranistin Alexia Voulgaridou nimmt am Bühnenrand Platz und lässt als (nach ihrem Selbstmord) ruhelos-grauhaariger Geist aus dem Zwischenreich ihr Leben Revue passieren.

Maja Ziskas sparsam möblierte Bühne liegt überwiegend in sanftem Dunkel, der Chor und die japanische Verwandtschaft der Cio-Cio-San bleiben zunächst unsichtbar. Stattdessen verkörpern Ninja-Tänzer in grotesken, nach Origami-Art gefalteten XXL-Papierkostümen jene Ahnen, die sich zu immer neuen Tableaus formieren. Cio-Cio-San, die Puppe, wirkt in ihrer Mitte porzellan-zerbrechlich, zugleich betörend schön und bewegt sich in der überzeichneten Logik des Traums: Ist sie ...

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Opernwelt März 2017
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Regine Müller