Psychodrama als Scherzo

Baden-Baden: Strauss: Elektra

Was dem Ballett recht ist, ist der Oper billig. So werden sie sich im Baden-Badener Festspielhaus denken. In der Tat, die Choreografien eines Bournonville, eines Petipa oder Fokin werden nach mehr als einem Jahrhundert noch neu einstudiert. Die Baden-Badener Richard-Strauss-Pflege verfährt ähnlich: Nach dem Salzburger «Rosenkavalier» (1995) des 2002 verstorbenen großen Regisseurs, Bühnen- und Kostümbildners Herbert Wernicke wurde nun die Münchner «Elektra» (1997) reanimiert. Unproblematisch ist das Verfahren gleichwohl nicht.



Wernickes Grundprinzip war: kein Schlachtfest, keine imaginäre Freud’sche Couch, kein theatralisierter TV-Familiendramen-Realismus. Sondern: Archaik, Distanz. Vordergründig: Steh-Oper, in der Bewegung aufs Äußerste reduziert, als einziges Requisit das von vornherein präsente Rachebeil Elektras, das sie sich am Ende selbst in den Leib stößt. Fast die ganze (Mini-) Aktion ereignet sich vorn auf einem schmalen Spielstreifen, vor der – um ihre eigene Achse drehbaren, ganz selten die feuerrote Szene mit ihrer steilen Treppe ins Nichts freigebenden – düster-anthrazitfarbenen Mauer. In Wahrheit aber: Gestalten, in deren Innerem es arbeitet, in deren Köpfen sich die ...

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Opernwelt März 2010
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Heinz W. Koch

Vergriffen
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