Problematisches Puzzle
Das Théâtre du Grand Saint-Jean bringt eine Prise Glyndebourne nach Aix. Zwanzig Autominuten vor der Stadt liegt ein idyllisches Landgut, man promeniert unter alten Alleen und kann vor der Aufführung picknicken. Gespielt wird im Innenhof, dessen maroden Charme Ivan Theimer in seine Ausstattung des «Barbiere di Siviglia» einbezieht. Fünf verschiebbare Wände genügen ihm, um die Bühne immer wieder blitzschnell zu ändern. Das szenische Tempo entspricht Rossinis Musik.
Regisseur David Radok überträgt den Motor der Buffa zusätzlich auf einen Bewegungschor: mal hyperaktives, mal schläfriges Dienstpersonal im Hause des Doktor Bartolo, das die Ensembles zur Gruppenchoreografie weitet. Der optische Effekt ist dabei freilich oft lauter als Rossinis akustische Pointen, die Daniele Gatti mit dem Orchester des Teatro Comunale aus Bologna präzise, aber mit angenehmer Dezenz zündet. So erlebt man eine Mischung aus Verdopplung à la Broadway und bunten Rollenpuppen nach Manier der Commedia dell’arte.
Wer sich dabei als Sänger behauptet, muss viel Persönlichkeit mitbringen. Peter Mattei tut dies vor allen anderen. In seinem Barbiere steckt die Erfahrung vieler «Don-Giovanni»-Vorstellungen. Ob er ...
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Stéphane Lissner ist ein Virtuose des Koproduzierens. Das von ihm geleitete Festival in Aix-en-Provence sieht er als Kraftwerk, dessen Ausstrahlung bis New York reicht. Stolz ist er auf die Liste der Häuser, mit denen Zusammenarbeit besteht. Baden-Baden gehört ebenso dazu wie Londons Barbican Center, Madrid, Lissabon und natürlich Wien, wo Lissner die Festwochen...
Dieser im Klangbild klare, rauscharme, wenn auch mit kleinen Aussetzern behaftete und in den großen Chorszenen manchmal etwas detonierende Premieren-Mitschnitt des «Rienzi» (TKM Records Slovenia Sazas) ist ein Unikum: eine auf die Hälfte des Originals – oder dessen, was gedruckt überliefert ist – eingedampfte Bearbeitung mit Wagners nachkomponiertem heroischen...
Es ist schon seltsam: Nie hat man sich so recht mit Keith Warners nachtschwarzem, symbolistischen «Lohengrin» anfreunden wollen – kaum wird er das letzte Jahr gezeigt, da kommt angesichts der verführerischen Sonnenfinsternis-Bilder fast so etwas wie Wehmut auf. Dabei hat sich an Warners statuarischer Personenregie über die Jahre kaum etwas geändert. Dafür...
