Problematisches Puzzle
Das Théâtre du Grand Saint-Jean bringt eine Prise Glyndebourne nach Aix. Zwanzig Autominuten vor der Stadt liegt ein idyllisches Landgut, man promeniert unter alten Alleen und kann vor der Aufführung picknicken. Gespielt wird im Innenhof, dessen maroden Charme Ivan Theimer in seine Ausstattung des «Barbiere di Siviglia» einbezieht. Fünf verschiebbare Wände genügen ihm, um die Bühne immer wieder blitzschnell zu ändern. Das szenische Tempo entspricht Rossinis Musik.
Regisseur David Radok überträgt den Motor der Buffa zusätzlich auf einen Bewegungschor: mal hyperaktives, mal schläfriges Dienstpersonal im Hause des Doktor Bartolo, das die Ensembles zur Gruppenchoreografie weitet. Der optische Effekt ist dabei freilich oft lauter als Rossinis akustische Pointen, die Daniele Gatti mit dem Orchester des Teatro Comunale aus Bologna präzise, aber mit angenehmer Dezenz zündet. So erlebt man eine Mischung aus Verdopplung à la Broadway und bunten Rollenpuppen nach Manier der Commedia dell’arte.
Wer sich dabei als Sänger behauptet, muss viel Persönlichkeit mitbringen. Peter Mattei tut dies vor allen anderen. In seinem Barbiere steckt die Erfahrung vieler «Don-Giovanni»-Vorstellungen. Ob er ...
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Die luzidesten Einsichten zu vermeintlich sattsam Bekanntem, zu scheinbar hoffnungslos Vernutztem haben nicht selten weitab der musikalischen Hauptwege siedelnde Querköpfe – jene Paradiesvögel, die noch in dem banalsten Schlager oder der seifigsten TV-Erkennungsmelodie eine poetische Wahrheit aufspüren.
Das italienische Duo Gianluigi Trovesi (Klarinetten) und...
Eine Mikrofonstimme hatte James King, der in diesem Jahr achtzig Jahre alt wurde, nie. Wer live erlebt hat, wie er etwa die große Szene des Kaisers in Strauss‘ «Frau ohne Schatten» aufbaute und steigern konnte – und zwar steigern im Sinne einer immer intersiver sich im Raum ausbreitenden, unforcierten Klangfülle –, der weiß, dass ein Mikrofon dergleichen nie...
Diesmal konnte sich Staatsopern-Intendant Sir Peter nicht mit den Federn einer Münchner Händel-Erstaufführung schmücken, denn schon 1977 wagte sich das Gärtnerplatz-Theater an das Dramma per musica «Alcina». Auch die Inszenierung Christof Loys war bereits vor drei Jahren in Hamburg zu sehen (siehe OW 4/2002). Doch welch ein frischer Zauber wehte durch diese...
