Primus inter pares
In den Recitals bedeutender Sänger spielen die Lieder Franz Liszts meist nur eine marginale Rolle, entsprechend bescheiden ist das diskografische Angebot. Das kleine Label Marsyas hat den 200. Geburtstag des Komponisten im kommenden Jahr zum Anlass genommen, die Lücke zu füllen und in Koproduktion mit dem ORF sein gesamtes Liedschaffen aufzunehmen. Die ersten beiden von sechs Folgen sind inzwischen erschienen.
Einige Titel werden stolz als Ersteinspielung ausgegeben, doch darf man das nicht leichthin glauben.
So liegen mir beispielsweise die drei Petrarca-Sonette seit Langem in einer offiziellen Studioaufnahme der Cetra mit Leyla Gencer und Dino Ciani vor. Doch schmälern solche Fehlinformationen den Wert der Edition keineswegs.
Liszt war ein großer Verehrer Schuberts, dessen Lieder er durch seine virtuosen Klaviertranskriptionen populär machte, und er schätzte auch die Arbeiten Schumanns. Dennoch ging er bei seinen Vertonungen teilweise hochkarätiger Texte von Goethe, Schiller, Heine, Hugo und anderen eigene Wege, die gleichermaßen von Berlioz wie von der italienischen Oper inspiriert waren. Oft wird dabei der intime Rahmen des Liedes gesprengt. «Mignons Lied» und «Die Loreley» etwa ...
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Als 19-jähriger Student hörte Ruggero Leoncavallo in Bologna Vorlesungen des Dichters Giosuè Carducci, der ihm die Welt der italienischen Renaissance nahebrachte, und machte die persönliche Bekanntschaft von Richard Wagner, der im Dezember desselben Jahres zu einer Aufführung seines «Rienzi» angereist war. Einige Biografen wollen wissen, dass Leoncavallo zum...
Rund zehn Bahnminuten von St. Gallen entfernt liegt das Städtchen Herisau, wo der Dichter Robert Walser seine letzten 23 Jahre in einer Heil- und Pflegeanstalt verbrachte. Dieser regionale Bezug mag das Theater St. Gallen bewogen haben, Benjamin Schweitzers Vertonung des in Walsers Werk zentralen Romans «Jakob von Gunten» auf die Bühne zu bringen. Die Kammeroper...
Der Umgang mit den sechs bruchstückhaft überlieferten Opern ist die heikelste Frage, die sich der Vivaldi-Edition des Labels Naïve stellt. Soll man nur die erhaltenen Teile einspielen und es bei Fragmenten belassen? Oder doch die verloren gegangenen Arien durch «Leihgaben» aus anderen Werken Vivaldis ergänzen, so wie es beispielsweise Jean-Claude Malgoire in seiner...
