Primus inter pares
In den Recitals bedeutender Sänger spielen die Lieder Franz Liszts meist nur eine marginale Rolle, entsprechend bescheiden ist das diskografische Angebot. Das kleine Label Marsyas hat den 200. Geburtstag des Komponisten im kommenden Jahr zum Anlass genommen, die Lücke zu füllen und in Koproduktion mit dem ORF sein gesamtes Liedschaffen aufzunehmen. Die ersten beiden von sechs Folgen sind inzwischen erschienen.
Einige Titel werden stolz als Ersteinspielung ausgegeben, doch darf man das nicht leichthin glauben.
So liegen mir beispielsweise die drei Petrarca-Sonette seit Langem in einer offiziellen Studioaufnahme der Cetra mit Leyla Gencer und Dino Ciani vor. Doch schmälern solche Fehlinformationen den Wert der Edition keineswegs.
Liszt war ein großer Verehrer Schuberts, dessen Lieder er durch seine virtuosen Klaviertranskriptionen populär machte, und er schätzte auch die Arbeiten Schumanns. Dennoch ging er bei seinen Vertonungen teilweise hochkarätiger Texte von Goethe, Schiller, Heine, Hugo und anderen eigene Wege, die gleichermaßen von Berlioz wie von der italienischen Oper inspiriert waren. Oft wird dabei der intime Rahmen des Liedes gesprengt. «Mignons Lied» und «Die Loreley» etwa ...
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Griechenland war ein doppelter Problemfall bei den Internationalen Maifestspielen in Wiesbaden – einmal überraschend, einmal nicht. Das unerwartete Problem: Zwei Jahre lang war das große Gastspiel der Nationaloper aus Athen vorbereitet worden, doch dann machte die griechische Schuldenkrise einen Strich durch die Rechnung. Eine Absage drei Wochen vor Beginn der...
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