Plattenbauoperette
Das alte Klagelied der Leichten Muse: Warum gibt es keine neuen, aktuellen Operetten mehr? Immer nur Wien, Wien, nur du allein, und natürlich Offenbach. Der schaute seiner Zeit und deren Gesellschaft bissig-witzig-aggressiv mit intelligenter Musik und pointierten Texten ins Gesicht und kalte Herz. Noch heute amüsiert uns das, die Machart vor allem, denn die gesellschaftlichen und politischen Vorbilder, die Offenbach ins Visier nahm, kennen wir nicht mehr, und deshalb haben wir und das Theater oft so große Schwierigkeiten mit Offenbachs Operetten.
Und was ist mit unserer Gegenwart? Die Realität überholt mit ihrer Medienmacht ihre künstlerisch-artistische Verwurstung mühelos rechts und links. Wer den Bundeskanzler im Fernsehen erlebt, braucht nicht länger Geld für eine satirische Theater-Kabarett-Revue auszugeben. Gegen die Wirklichkeit kommt kein Witzemacher mehr an, es sei denn, er fabriziert die Verwitzelungen als Selbstschutz gegen drohenden persönlichen Wahnsinn. Ein wenig anders sieht es, oder man muss ja jetzt sagen: sah es zu Zeiten des Kalten Krieges aus. Wer in autoritären Ostblockstaaten politische Witze riss, riskierte zumindest Ärger für seine Person. Deshalb muss man ...
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Renata Tebaldi, die 82-jährig in ihrem Haus in San Marino gestorben ist, verkörperte das ästhetische Ideal der veristischen Primadonna in vollendeter Ausprägung. Der Verismo war in der italienischen Oper in den ersten drei Jahrzehnten nach dem Krieg, in denen sich Renata Tebaldis Glanzkarriere entwickelte, noch keineswegs passé und blieb für die Art etwa eines...
s ist kalt in Frankfurt. Knappe zehn Minuten nur dauert der Weg vom Hauptbahnhof bis zum Schauspielhaus: weißlicher Atemhauch aus Trinkerkehlen, blinkende Sex-Shop-Leuchtschriften, misstrauisch dreinblickende Passanten und gierige Krähen, die sich um halbverzehrte Döner balgen. Gefrorene Herzen, einsames Elend der Heruntergekommenen. Und vorbeieilende Banker dazu,...
Eine prominente Auszeichnung in Deutschlands Medienwelt hatte Berlin in den letzten Jahren sicher: Bei der jährlichen Kritikerumfrage der «Opernwelt» bekam die Hauptstadt der Republik regelmäßig den Titel «Ärgernis des Jahres», die rote Laterne der Branche, zugesprochen. Mit dem, was auf den Bühnen passierte, hatte das meist nur wenig zu tun, umso mehr jedoch mit...
