Glück, das mir verblieb...

Leonard Slatkin setzt sich für Barbers «Vanessa» ein

Wenn es so etwas wie einen amerikanischen Verismus gibt, dann zählt Samuel Barbers Opernerstling «Vanessa» zweifelsohne zu dessen ambitioniertesten Exponenten. Nicht, dass die zwischen dem psychologischen Realismus eines Henry James und den abgründigen Phantasmen der «gothic novel» angesiedelte Dreiecksgeschichte, die Gian Carlo Menotti nach Motiven von Karen Blixen für seinen Lebensgefährten schrieb, die musikalische Identität Nordamerikas stilbildend geprägt hätte.

Barbers Hang zum großen Sentiment, sein demons­trativ an Puccini und Strauss orientierter ­Romanti­zismus muss schon 1958, dem Jahr der Uraufführung in New York, wie eine nostalgische Verbeugung vor dem alten ­Europa geklungen haben. Und doch weht durch dieses Kammerspiel im Cinemascope-Format der Atem eines erz-amerikanischen Freigeis­tes, der in der Wahl seiner Ausdrucksmittel keine Hemmungen kennt, so lange sie ihren emotiven Zweck erfüllen.
Da hält etwa ein feinmaschiges Netz chromatischer Intervalle die um ihre lang  verflossene Liebe trauernde Titelheldin musikalisch gefangen. Sekund- und Quartsprünge bietet Barber auf, um deren Nichte Erika zu porträtieren – eine junge Frau, die mit Anatol, dem Sohn des nur noch ...

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Opernwelt April 2005
Rubrik: Platten, Seite 57
von Albrecht Thiemann

Vergriffen