Plädoyer für den singenden Menschen

Wider den visuellen Overkill: Udo Zimmermann über die Krise der Institution «Oper»

Die Opernhäuser Deutschlands sind mit zunehmenden Heraus­forderungen und Bedrohungen konfrontiert. In einer Zeit knapper Kassen wächst der Legitimationszwang. Der traditionelle Repertoirebetrieb, festangestellte Ensembles und Orchester, machen die Opernlandschaft Deutschlands zu einer aufwändigen Sache. Weltweit gibt es nichts Vergleichbares. Zunehmend wird Oper jedoch zur verbeamteten Institution – Verwaltungsangestellte und Rechtsanwälte leiten ihr Geschick. Die Unterminierung des Systems findet auf breiter Front statt.

Hat sich das Regietheater in den vergangenen Jahrzehnten erfolgreich darin hervorgetan, immer neue psychologische Tiefenschichten freizulegen, soziale Parallelen zwischen Stück und Entstehungszeit plastisch zu machen oder – mehr oder weniger geglückt – Gegenwartsbezüge herzustellen, so kommt in letzter Zeit von dort kaum noch wirklich Neues, Konzeptionen wiederholen sich. Dazu kommt, dass sich das Publikum in den letzten zwanzig Jahren mehr verändert hat als in hundert Jahren zuvor. Es sind nicht so sehr soziale Umbrüche, Wandlungen und Differenzierungen der Lebensstile, die zur Herausforderung für die Oper werden, sondern vielmehr eine elementare Veränderung ...

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Opernwelt Dezember 2008
Rubrik: Schwerpunkt, Seite 32
von Udo Zimmermann

Vergriffen
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