Phantombegriff, Zauberwort

Wissenschaftler und Praktiker diskutieren zwei Schlüsselbegriffe des Musiktheaters: «Werktreue» und «Dramaturgie»

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Sinnlichkeit auf der Bühne und intellektuell-übersinnliche Diskurse schließen einander nicht aus. Zu Zeiten von «Regietheater» und «Postdramatik» geht es um Grundfragen zum Komplex Werk/ Werktreue. Haben die Begriffe noch Sinn? «Was ist Werk, was Treue?», lautet der Untertitel eines Buchs, dem ein Symposium von 2010 zugrunde liegt, Teil des Zürcher Universitätslehrgangs «Executive Master in Arts Administration». Dessen Leiter, der Österreicher Gerhard Brunner, Jurist, ehemals Musikkritiker in Wien, später Intendant der Oper Graz, fragt nach «Treue und Verrat».

Es geht um «eine neue und kritische Bewertung aller Schichten des Gesamtkunstwerks Oper» – ein Projekt, das angesichts der Liste referierender Fachleute Erkenntnisgewinn verspricht.

Wie viel Freiheit der Darbietung und wie viel Fantasie der Interpretation vertragen, erfordern die Kunstwerke des Musiktheaters? Brunner hat für die drei Abschnitte des Buchs, das er zusammen mit Sarah Zalfen herausgegeben hat, die Instanzen Wissenschaft, Kunst und Öffentlichkeit in Stellung gebracht. Und bietet auch Proben aus den jeweils nachfolgenden Podiumsdebatten. Wohin die Reise geht, deutet Brunner, der nicht zum konservativen Lager ...

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Opernwelt Mai 2012
Rubrik: Medien/Bücher, Seite 26
von Wolfgang Schreiber

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